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Nachtleben in Venedig

Nachtleben

Die Karnevalsstadt, in der einst rund 12.000 Kurtisanen vergnügungssüchtige Aristokraten wie Lord Byron verwöhnten, ist längst nicht mehr die ausschweifende 'Stadt der Feste“, als die sie einmal in aller Welt bekannt war. Besucher von Venedig müssen sich heute schon sehr bemühen, um hier Unterhaltung zu finden, die über den Genuß eines Tellers Tintenfischrisotto hinausgeht. Am frühen Abend ist am meisten los, wenn die Venezianer ihre tägliche passeggiata (Spaziergang) am Riva degli Schiavoni entlang oder zum campo ihres Viertels machen. Manchmal machen sie dabei Halt für einen Aperitif, vorzugsweise ein Glas eisgekühlten prosecco, dem örtlichen Weißwein, der auf der Zunge prickelt. Die angesagtesten Lokale für ein schnelles Getränk konzentrieren sich rund um den Markusplatz, wo man in kürzester Zeit eine Menge Geld los wird. Etwas alternativere Gegenden sind die Seitenstraßen von Cannaregio und San Polo, wo man seine Karaffe örtlichen Weins in Gesellschaft von Fischern und Studenten trinken kann. Der Durchschnittspreis für ein Bier in Venedig ist 3 €. Das Mindestalter für Alkoholkonsum beträgt 18 Jahre, die meisten Kneipen schließen um Mitternacht oder 01.00 Uhr, manche Lokale sind jedoch länger geöffnet, insbesondere Hotelbars.

In Venedig gibt es wegen des Problems der Lärmbelästigung kaum Nachtclubs, und die wenigen existierenden haben ein ausgeklügeltes Einlaßsystem, das Frauen in kurzen Röcken eindeutig bevorzugt. Mehr Clubs sind im Sommer am Lido geöffnet, wo man mit etwas Glück auf diverse Hollywoodstars trifft. Den Rest des Jahres über ist das einzige, was nachts in dieser Stadt glitzert, der Schein der Laternen an den Booten in der Lagune.

Informationen und Veranstaltungsverzeichnisse findet man in dem Magazin A Guest in Venice, das im Sommer alle zwei Wochen, im Winter monatlich erscheint. Es ist in den meisten besseren Hotels erhältlich.

Bars

Harry's Bar, Calle Vallaresso, am westlichen Ende vom Markusplatz ist die Heimat des legendären Bellini – eines Cocktails bestehend aus Prosecco, frischem Pfirsichsaft und einem Schuß Grenadine-Syrup. Die Bar ist im Besitz der Cipriani-Familie und hat schon so manche Hollywood-Größe bewirtet. Ebenfalls einen Besuch wert sind die Bar Al Volto, Calle Cavalli 4052, San Marco – eine Kneipe, die über 1300 Weine und eine schwindelerregende Auswahl an Appetitanregern im Angebot hat – und das Café Blue, Salizada San Pantalon, Dorsoduro, mit jeder Menge Gesellschaftsspielen und einer beliebten Happy Hour (von 20.00-21.00 Uhr). Zwei Bars, die besonders von den Einheimischen frequentiert werden, sind Do Mori, Calle Do Mori, San Polo, und das nahegelegene Do Spade, Sottoportego dello Spade, San Polo, wo man schnell neue Freunde macht. Der Corner Pub, Calle della Chiesa, in der Nähe des Guggenheim Museums, ist ein einladender Zwischenstopp am späten Abend (bis 02.00 Uhr geöffnet), während sich heimwehkranke Kelten im Fiddler's Elbow, Corte dei Pali, Cannaregio, sicher wohlfühlen. Campo Santa Margherita hat sich in den vergangenen Jahren zur Ausgehgegend für Venedigs junge Leute entwickelt mit seiner Fülle angesagter Cafés und Bars und einem etwas alternativen Ambiente.

Kasinos

Venedig hat ein Kasino an zwei verschiedenen Orten. Im Sommer heißt das Casino Municipale di Venezia Strandläufer und Filmstars im Palazzo del Casino am Lido willkommen. Im Winter schließt das Gebäude am Lido und das Kasino zieht in die eleganteren Räumlichkeiten im Palazzo Vendramin Calergi am Canal Grande um – der letzten Heimstätte Richard Wagners, der hier im Jahr 1883 verstarb. Spieler sollten sich elegant kleiden. Das Mindestalter von 21 Jahren muß mit einem Paß/Personalausweis nachgewiesen werden.

Clubs

Da es nur wenige Nachtclubs in Venedig gibt, strömen die meisten jungen Leute nach Mestre, wo es mehr Platz und weniger Auflagen wegen Lärmbelästigung gibt, oder sogar noch etwas weiter in die Universitätsstadt Padua. Aber falls man in Venedig selbst die Nacht durchtanzen möchte, ist die beste Wahl der Disco Club Piccolo Mondo, Calle Contarini-Corfu, Dorsoduro, wo House-Musik für ein gemischtes Publikum gespielt wird (Eintritt rund 7,50 €). Eine Alternative dazu ist das Casanova Music Café, Lista di Spagna, Cannaregio, wo heiße Latino-Rhythmen dominieren. Im Eintrittspreis von 10,50 € ist ein Freigetränk mit inbegriffen.

Live-Musik

Es gibt in der Stadt nur wenige Veranstaltungsorte für Live-Musik. Zwei der bekanntesten sind Bacaro Jazz, Salizada del Fontego dei Tedeschi, San Marco, für heißen Jazz und ein cooles Publikum, und Paradiso Perduto, Fondamenta Misericordia, Cannaregio, ein Lokal, das bis spät nachts geöffnet und bei Studenten beliebt ist.

Kultur

Die venezianische Kulturszene lebt von den Überresten ihrer glänzenden Vergangenheit. Die Heimatstadt von Vivaldi war im 16. Jahrhundert das Zentrum der abendländischen Musik. Heute unterhalten Musiker in historischen Kostümen Besucher mit Kostproben barocker Musik in örtlichen Kirchen und auf dem Markusplatz wetteifern diverse Streichquartette um die Aufmerksamkeit der Touristen. Die Heimat der venezianischen Oper und des Schauspiels, das Theater La Fenice, wurde 1996 durch einen Brand zerstört, originalgetreu wieder aufgebaut und Ende 2003 wieder eröffnet. Die goldenen Zeiten des venezianischen Theaters sind lange vorbei, als der äußerst produktive Dramatiker Carlo Goldoni 16 Stücke pro Jahr schrieb und die Kritiker zu Begeisterungsstürmen hinriß.

Die Theaterszene ist heute eher konservativ und hauptsächlich darum bemüht, zahlungskräftige Touristen anzuziehen. Aufgrund der abnehmenden Einwohnerzahl und der Abwanderung der jungen Leute aus der Stadt gibt es so gut wie keine heimische Theaterszene. Venedig ist statt dessen auf auswärtige Künstler angewiesen, um Leben in die Kulturszene zu bringen. Nur die Filmkunst ist auf der Höhe der Zeit, wenn jedes Jahr im September La Serenissima die Reichen und Schönen zum Internationalen Filmfestival in Venedig willkommen heißt.

Ein Verzeichnis kultureller Veranstaltungen (auf Italienisch) findet man im Internet (www.doge.it und www.regione.veneto.it/cultura).

Musik

Das Gran Teatro La Fenice in Venedig - eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt - wurde Ende 2003 wieder eröffnet, nachdem es fast acht Jahre zuvor durch einen Brand nahezu völlig zerstört wurde. Die Spielzeiteröffnung begann im November 2004 mit Traviata.
Die Opernsaison in Venedig wird etwas vom benachbarten Verona überschattet, aber der Standard der musikalischen Aufführungen ist hoch. Karten kosten ab 15,50 € und sind am Veranstaltungsort zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn oder am mobilen Kartenbüro bei der Cassa di Risparmio di Venezia – einer örtlichen Bankfiliale in Campo San Luca – zwischen 08.30 und 13.00 Uhr erhältlich. Andere Veranstaltungsorte für musikalische Aufführungen in der Stadt sind u. a. die Frari-Kirche, San Polo 3003, die von Mai bis Oktober (außer August) jeden Freitag um 21.00 Uhr Konzerte anbietet, und La Pieta, Riva degli Schiavoni, Castello, die auch als Vivaldi-Kirche bekannt ist, da sie neben dem Ospedale steht, wo der Komponist unterrichtete. Es überrascht daher nicht, daß dies ein beliebter und geeigneter Ort für Darbietungen von Vivaldis Musik ist. Karten (um 18 €) sind an der Kirchentür oder der Hotelrezeption erhältlich. Für ein ganz besonderes Kunst- und Musikerlebnis sollten Besucher Plätze in der Scuola di San Rocca reservieren, wo die Accademia of San Rocco regelmäßig Barockmusikkonzerte, gespielt auf zeitgenössischen Instrumenten, aufführt. Karten kosten ab 26 € aufwärts und können persönlich vor Ort oder telefonisch (Tel: (041) 523 48 64) gebucht werden.

Theater & Konzerte

Für jeden Anhänger der venezianischen commedia dell'arte gehört ein Besuch des Teatro Goldoni, Calle Goldoni, San Marco (Tel: (041) 520 75 83. Internet: www.teatrogoldonive.it) zum Pflichtprogramm. Das wunderschöne Theater, das 1867 zu Ehren des berühmten Dramatikers umbenannt wurde, bietet ein umfassendes Repertoire venezianischer Klassiker an, darunter die komödiantischen Werke Goldonis. Premieren sind meist lange im voraus ausverkauft und es empfiehlt sich, rechtzeitig Karten an der Theaterkasse vorzubestellen, die dann mindestens eine Stunde vor Vorstellungsbeginn abgeholt werden müssen, um nicht an der Abendkasse verkauft zu werden. Wer auf der Suche nach etwas alternativerem Theater ist, sollte das Teatro a l'Avogaria, Corte Zappa, Dorsoduro (Tel: (041) 520 61 30), besuchen, das seit 1969 experimentelles Theater liefert. Der venezianische Professor Giovanni Poli, der 1979 verstarb, war die treibende Kraft in Sachen zeitgenössisches Theater in Venedig und hat heute noch viele Anhänger in der Stadt. Seinen revolutionären Ideen entsprechend, verkauft das Theater keine Eintrittskarten, sondern bittet um freiwillige Spenden der Zuschauer.

Tanz

Klassisches Ballett ist Teil des Spielplans im PalaFenice, Insel Tronchetto (Tel: (041) 61 27 67. Fax: (041) 61 22 63. Internet: www.teatrofenice.it), doch ansonsten gibt es nur wenige Tanzvorführungen in Venedig. Der beste Veranstaltungsort für zeitgenössischen Tanz ist das Teatro Fondamenta Nuove, Cannaregio 5313, Fondamenta Nuove (Tel: (041) 52 24 98. Fax: (041) 523 19 88), eine alte Tischler-Werkstatt mit guten Avantgarde-Vorstellungen.

Film

Die Stadt war Schauplatz vieler berühmter Filme, darunter Luciano Viscontis Tod in Venedig (1971), Nicholas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973) und der Verfilmung von Henry James' Roman Die Flügel der Taube (1997).

Die Accademia, Calle Gambera, Dorsoduro (Tel: (041) 528 77 06), ist eines von Venedigs ältesten und beliebtesten Kinos mit einer vielfältigen Auswahl an Filmen, von amerikanischen Kassenschlagern bis zu künstlerisch anspruchsvollen europäischen Filmen unabhängiger Filmemacher (besonders mittwochs und donnerstags). Kürzlich wurde es jedoch in der Beliebtheit von dem brandneuen Giorgione Movie D'essai, Cannaregio 4612, Rio Tera de Franceschi übertroffen, einem Kino mit zwei Leinwänden und über 300 Sitzen, das jeden Donnerstag Filme in englischer Sprache zeigt.

Kulturelle Veranstaltungen

Zwei kulturelle Festivals dominieren den venezianischen Kalender – die Biennale und das Filmfestival von Venedig. Das Filmfestival war ursprünglich von Mussolini 1932 ins Leben gerufen worden, um Italiens gestiegene Bedeutung in der Welt zu propagieren, und ist trotz des eher unscheinbaren Einflusses des italienischen Films das zweitwichtigste Filmfestival der Welt nach Cannes. Das cineastische Karussell findet Ende August am Lido statt und dauert zehn Tage. Paparazzi, Regisseure und Filmstars und -sternchen geben sich ein Stelldichein. Im Mittelpunkt des Festivals steht der Goldene Löwe (Leon d'Or), die höchste Auszeichnung der Filmfestspiele. Filme werden im Palazzo del Cinema, Lungomare G Marconi, und im Astra, Via Corfu, gezeigt; Karten sind nur durch Anstehen in der Schlange an den beiden Veranstaltungsorten erhältlich. Ein Veranstaltungsprogramm wird im voraus vom Fremdenverkehrsbüro herausgegeben. Die Biennale (Internet: http://www.labiennaledivenezia.net) ist ein Forum für zeitgenössische Kunst, das von jungen Kunstrebellen aus aller Welt besucht wird. Von frühen italienischen Futuristen wie Marinetti über den amerikanischen Pop-Art-Künstler Robert Rauschenberg und den Fotografen der Benetton Anzeigenkampagne, Oliviero Toscani, zieht die Biennale umstrittene Künstler an und fördert die öffentliche Diskussion über zeitgenössische Kunst in den zahlreichen Veranstaltungen, die das ganze Jahr über stattfinden.

Literarische Anmerkungen

Venedig hat so gut wie keine bekannten Schriftsteller hervorgebracht, aber viele auswärtige Autoren wie beispielsweise Henry James haben die Stadt in ihren Werken verewigt. William Shakespeare wählte Venedig als Schauplatz seiner Dramen Othello und Der Kaufmann von Venedig. Thomas Manns Meisterwerk, Tod in Venedig (1912), ist eines der beeindruckenden Porträts der Stadt um 1900. Weitere Bücher, die Venedigs einzigartige Atmosphäre einfangen, sind Ian McEwans The Comfort of Strangers (1981), Frederick Rolfes The Desire and Pursuit of the Whole (1986) und James Cowans A Mapmaker's Dream (1996), in dessen Mittelpunkt eine berühmte Landkarte in der Libreria Sansovino steht. Aktuellere Werke sind Margaret F Macdonalds Palaces in the Night (2001), das von dem Aufenthalt des Malers Whistler in Venedig handelt, und David Rosands Myths of Venice – The Figuration of a State (2001).