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Nachtleben in Moskau

Nachtleben

In Moskau erfreuen sich Diskos großer Beliebtheit, allerdings nimmt die Zahl der Kneipen und Bars zu, in denen auch Essen serviert wird. In vielen dieser Bars gibt es eine Happy Hour, in der man zwei alkoholische Getränke zum Preis von einem erhält. Einen Mangel an exotischer Unterhaltung gibt es gewiß nicht, und Männer aus dem Westen sind für russische Frauen äußerst attraktiv. In einigen Bars kann es recht gewalttätig zugehen, deshalb sollte man vorher Einheimische fragen, welche Bars gemieden werden sollten.

Moskau hat eine Reihe von rund um die Uhr geöffneten Bars und einige „Nachtrestaurants“, die oft erst um 05.00 oder 06.00 Uhr morgens schließen. In diesen gibt es nicht nur Essen und Trinken, sondern auch Unterhaltung. Bars sind bis 00.00 oder 01.00 Uhr geöffnet. Das gesetzliche Mindestalter für den Konsum alkoholischer Getränke beträgt in Rußland 18 Jahre, kaufen darf man Alkohol aber erst ab 21 Jahren. Der Mindestverzehr ist unterschiedlich - in einigen Lokalen gibt es für eine bestimmte Zeit freie Getränke, in anderen werden für ein Gedeck 613-919 Rbl/20-30 US$ (oder mehr) verlangt. Live-Musik kann man überall in der Stadt hören, gute Interpreten findet man allerdings nicht immer so leicht. Die meisten Bars und Clubs befinden sich in Hotels oder in deren unmittelbarer Umgebung. Wegen der schwankenden Wirtschaftslage kommen und gehen Bars und Clubs. Die in Rußland herausgegebene amerikanische Zeitung eXile (Internet: www.exile.ru) informiert über die aktuelle Kneipenszene.

Bars

Im John Bull Pub, Kutuzovskij Projesd 4, wird recht gute Musik gespielt. Am Wochenende ist die Kneipe bis 03.00 Uhr geöffnet. Auch der irische Pub Rosie O'Grady's, Znamenka Uliza 9/12, ist beliebt. In der Moosehead Canadian Bar, Bolshaja Polianka Uliza 54, können sich die Gäste an Buffalo Wings und anderer Barkost erfreuen; Bier kostet hier 122-184 Rbl/4-6 US$ (Öffnungszeiten: Täglich 12.00-05.00 Uhr). Die angeblich längste Bar in Rußland hat das Chesterfield's, Zemljanoj Val 26, das ein gemischtes Publikum aus Ausländern und Russen anzieht. Wer gerne eine Zigarre und einen Cognac genießt, findet im Embassy Club, Brjusov Pereulok 8/10, den passenden, protzigen Rahmen. Eine neue Bereicherung des Moskauer Nachtlebens ist The News Bar, Petrovka Uliza. Das OGI Project, Potapovskij Pereulok, erfreut sich mittlerweile ebenfalls sehr großer Beliebtheit.

Kasinos

Seit dem 30. Juni 2009 sind alle Kasinobetriebe illegal und wurden deshalb geschlossen.

Clubs

Das Propaganda, Bolshoi Zlatoustinksij Pereulok 7, ist einer der besten Tanzclubs der Stadt, spielt allerdings keinen Techno, manchmal aber Acid Jazz; Techno-Ravers findet man dagegen im Khaos, Timirgazevskaja Uliza 17. Etwas eleganter wirkt das Brand, Smolenskij Ploschtschad, eine Disko mit angeschlossener Bar. Die bekannten internationalen DJs, die von Zeit zu Zeit im Club XIII, Myanitskaja Uliza, erscheinen, ziehen vor allem Ausländer und Russen mit jeder Menge Bargeld an. Das Titanik im Young Pioneers Stadium, Leningradskij Prospekt 31, ist ein bekannter Techno-Club mit einer netten aber teuren Erholungsecke, die für 919 Rbl/30 US$ betreten werden kann. Clubs mit einem überwiegend homosexuellen Publikum werden in Moskau zunehmend beliebter. Die meisten Gäste hat das Central Station, Bolshaja Tatarskaja Uliza, das sich fast mit Schwulen-Clubs im Westen messen kann. Auf Homophobie trifft man in Moskau noch sehr häufig, deshalb sollten Besucher es vermeiden, alleine in irgend einen Schwulenclub zu gehen.

Live-Musik

In vielen Bars und Clubs wird abends ein paar Stunden lang (meistens zwischen 22.00-24.00/01.00 Uhr) Live-Musik gespielt, vor allem Rock, gelegentlich aber auch Country, Reggae und Folk. Als eine der besten Jazz- und Blueslokale in Moskau gilt der Arbat Blues Club, Aksakow Pereulok 11. Jazzfreunde kommen im Jazz Art Club, Begovaja Uliza 5, für einen Eintrittspreis von 214 Rbl/7 US$ auf ihre Kosten. Live-Bands spielen auch im Bunker, Tverskaja Uliza 12, und im Tabula Rasa, Berezhkovskaja Naberezhnaja 28; der Eintritt hängt von der jeweiligen Nacht und Band ab. In der recht neuen Voodoo Lounge, Srednij Tischinskij Pereulok 5/7, werden Rock- und Latinomusik gespielt.

Kultur

Da Moskau seit sehr langer Zeit die Landeshauptstadt ist, ist es auch stets ein wichtiges russisches Kulturzentrum gewesen. Zu den bemerkenswertesten Errungenschaften zählt die lange Periode der Ikonenmalerei bis zur Zeit von Peter dem Großen. Der berühmteste Ikonenmaler der russisch-orthodoxen Kirche ist Andrej Rubljow, der sein Atelier im Spaso-Andronikow Monastyr (Andronikow-Kloster), in einem östlichen Vorort der Stadt, hatte. Im 19. Jahrhundert machten sich Maler wie Ilija Repin einen Namen, dessen realistische Werke vor allem die Landbevölkerung und gewöhnliche Menschen porträtieren. Die Werke der konstruktiven Avantgardisten zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden durch Stalins Regime unterdrückt. Bis vor kurzen war die sozialrealistische Kunst die einzige, die von staatlicher Seite gefördert wurde und im öffentlichen Raum zu sehen war.

In der ehemaligen Sowjetunion war man nicht zu unrecht sehr stolz auf die eigenen kulturellen Einrichtungen, denn diese zählten häufig zu den besten der Welt. Viele dieser Einrichtungen haben ihren Sitz in Moskau, bemerkenswert sind vor allem Bolshoi-Ballett und -Oper und der Moskauer Zirkus. Im voraus erworbene Eintrittskarten können recht preiswert sein, die von Schwarzhändlern am Abend der Vorstellung verkauften sind aber meistens recht teuer. Konzert- und Theaterkarten sind an zahlreichen Stellen erhältlich, in großen Hotels und an der IPS-Theaterkasse im Metropol Hotel, Teatralnj Projesd 1/4 (Tel: (095) 927 60 00). Die meisten Eintrittskarten für Aufführungen kosten zwischen 620 Rbl/20 US$ und 830 Rbl/27 US$.

Eine hervorragende Informationsquelle zu den kulturellen Veranstaltungen in der Metropole mit Veranstaltungsverzeichnissen (in mehreren Sprachen, u. a. in Englisch) ist Moscow Out (Internet: www.moscowout.ru).

Musik

Das Moskauer Konservatorium, Nikitskaja Uliza 13 (Tel: (095) 229 81 83), ist eine bedeutende Musikakademie und ein Veranstaltungsort für wichtige Konzerte - u. a. hatten hier Werke von Sergej Prokofjew und Dmitrij Schostakowitsch Premiere. Pjotr Tschaikowsky unterrichtete am Konservatorium, starb allerdings 1898, bevor die öffentlichen Konzerte begannen. Einer seiner Studenten, den er für seine Diplomarbeit lobte, war kein geringerer als Sergej Rachmaninow. Konzerte werden sowohl im kleinen wie auch im großen Saal veranstaltet.

Im Tschaikowsky-Konzertsaal, Triumphalaja Ploschtschad 4/30 (Tel: (095) 299 39 57), finden Sinfonie- und Kammerkonzerte, besondere Festivals, Aufführungen russischer Volkstänze sowie Orgel- und Chormusik statt. Die Arbat-Oper, Arbat Uliza 35 (Tel: (095) 248 09 87), ist das neueste Moskauer Musiktheater. Zwar ist es recht klein, eignet sich aber ideal für Kammeropern von Pergolesi, Rimsky-Korsakoff, Poulenc und anderen.

Theater & Konzerte

Die führende Theatertruppe Moskaus ist das MKHAT imeni Chekhova (Tschechow-Künstler-Theater), Kamergerskij Pereulok 3 (Tel: (095) 229 87 60. Internet: http://art.theatre.ru), das als Moskauer Künstlertheater 1898 gegründet wurde. Die hier aufgeführten Stücke von Anton Tschechow unter der Regie von Konstantin Stanislawski, revolutionierten das Schauspiel in Europa. Heute ist das Theater zwar nicht mehr avantgardistisch, es wird aber weiterhin nach der Stanislawski-Methode gearbeitet. Das Maly Teatr (Kleines Theater), Teatralnaja Ploschtschad 1 (Tel: (095) 923 2621) war besonders im 19. Jahrhunderz für seine politischen und gesellschaftssatirischen Stücke bekannt. Auch die Werke einiger berühmter russischer Dramatiker wurden hier uraufgeführt, u. a. von Nikolai Gogol. Vorstellungen finden täglich um 19.00 Uhr statt, die meisten davon allerdings in Russisch. Der ausgezeichnete Ruf des Taganka-Theater, Zemljanoij Val (Tel: (095) 915 10 15), beruht vor allem auf den hier aufgeführten modernen Klassikern, wie z. B. Doktor Schiwago und Der Meister und Margarita.

Tanz

Eines der weltweit renommiertesten Theater- und Opernensembles, das Bolschoi, hat ebenfalls seinen Sitz in Moskau. Vorstellungen finden von Sept.-Juni täglich um 19.00 Uhr statt, am Wochenende werden auch Matineen gegeben. Das Bolschoi wurde 1773 gegründet, erlangte allerdings erst 1918 weltweite Berühmtheit. Mehrere Jahrzehnte lang (bis 1995) stand das Bolschoi unter der Leitung von Juri Grigorowitsch, der zusammen mit einigen herausragenden Tänzern das internationale Ansehen des Ensembles förderte. Das Bolschoi Theater, Teatralnaja Ploschtschad 1 (Tel: (095) 299 53 25; Internet: www.bolshoi.ru), ist in einem imposanten neoklassizistischen Gebäude aus dem Jahr 1824 untergebracht, das für seine Größe und ausgezeichnete Akustik bekannt ist. Falls für das Bolschoi keine Karten erhältlich sind, sollten Besucher dem Stanislawskij-und-Nemirowitsch-Dantschenko Musiktheater (auch als 'Stasic“ bekannt) an der Bol Dmitrowka Uliza 17 (Tel: (095) 229 28 35) einen Besuch abstatten - dem 'zweiten Bolschoi“ in Moskau. Das 1940 gegründete Theater verfügt zwar nur über einen kleinen Saal, veranstaltet aber ausgezeichnete Aufführungen - der hier gezeigte Schwanensee soll sich mit dem des Bolschoi durchaus messen können.

Film

Die Moskauer Filmfestspiele finden jeweils im Juli statt (Internet: www.miff.ru). Englischsprachige Filme können im American House of Cinema nahe des Radisson Slawjanskja Hotels (Tel: (095) 941 88 90) gesehen werden, im Dome Theatre in der Nähe des Moskauer Renaissance Penta Hotels (Tel: (095) 931 90 00) und im Internationalen Kinozentrum, Krasnaja Presnaja, Druzhinnikovskaja Uliza 15 (Tel: (095) 205 73 06), wo auch Experimentalfilme gezeigt werden. Hier befindet sich auch das Kino-Museum (Tel: (095) 255 90 57), das Dokumentarfilme, Retrospektiven und Stummfilme zeigt. Filmverzeichnisse findet man in der Freitagsausgabe der Moscow Times.

Sergej Eisenstein poträtierte einen der mächtigsten Herrscher Rußlands in seinen Filmen Iwan der Schreckliche I und II (1945 bzw. 1958). Der berühmte Regisseur nutzte das damalige Kolisej-Kino (heute das Sowremennik Theater) auch für sein Arbeitertheater Proletcult.

Kulturelle Veranstaltungen

Der Große Moskauer Zirkus wird seinem Ruf zwar nicht mehr ganz gerecht, bietet aber immer noch gute Unterhaltung. Vorstellungen finden Di-Fr um 19.00 Uhr statt, samstags und sonntags gibt es mehrere Vorstellungen. Der Neue Zirkus befindet sich am Wernadskogo Prospekt 7 (Tel: (095) 930 28 15), der Alte Zirkus am Zwtnoj Bulwar 13 (Tel: (095) 200 06 68). Besonders gut besucht sind die 'weißen Nächte” in Moskau, die im Sommer während des gleichnamigen, jährlichen Festivals stattfinden - mit Musikveranstaltungen, Theateraufführungen, Straßenunterhaltung und Feuerwerk. Auch im Winter wird es nicht langweilig, denn dann findet u. a. das Russische Winterfestival mit Trojka-Fahrten und traditionellen Volksbräuchen statt, das von Weihnachten bis Neujahr dauert. Zu den Veranstaltungen ernsthafterer Natur gehören Dichterlesungen am Puschkin-Monument zu Ehren seines Geburtstags am 6. Juni.

Literarische Anmerkungen

Moskau war die Heimat vieler bedeutender Schriftsteller und häufig der Schauplatz ihrer Werke. Einige Häuser, in denen der Dramatiker Anton Tschechow und die Romanschriftsteller Leo Tolstoi (Leo Tolstoi Uliza) und Maxim Gorki (Malaja Nikitskaja Uliza) einen Teil ihres Lebens verbrachten, können von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Der adlige Philosoph, Moralist und Schriftsteller des Realismus Tolstoi (1828-1910) wurde auf dem Landgut seiner Familie, südlich von Moskau, geboren. In vielen seiner Werke schildert Tolstoi das Leben in der Hauptstadt, besonders in Krieg und Frieden (1865-69), dessen Schauplatz das brennende Moskau während des Krieges gegen Napoleon ist. Dieses Werk gilt als einer der besten jemals geschriebenen Romane.

Tschechows Stück Die Möwe (1896) hatte 1898 im Moskauer Künstlertheater Premiere. Tschechow und der Romanschriftsteller/Dramatiker Nikolai Gogol wurden beide auf dem Nowodewitschi-Friedhof im Südwesten der Stadt beigesetzt (s. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten). Der gebürtige Moskauer Fjodor Dostojewski verbrachte seine Kindheit in der Stadt und kehrte dorthin zurück, um bei der Enthüllung des Denkmals für Alexander Puschkin 1880 ebenso wie Iwan Turgenjew eine bewegende Rede zu halten - die erste öffentliche Anerkennung russischer Nationalliteratur. Puschkin gilt als der Vater der russischen Literatursprache, seine bekanntesten Werke sind Eugen Onegin (1825) und Boris Godunow (1824).

Boris Pasternak (1929-1960) lebte in dem Vorort Peredelinko unter Künstlern und Schriftstellern. Hier schrieb er Doktor Schiwago (1957), seinen epischen romantischen Roman über die Russische Revolution. Michail Bulgakows Roman Der Meister und Margarita (in den 1930er Jahren geschrieben, 1967 nach seinem Tod zum ersten Mal veröffentlicht), findet teilweise im Restaurant des zentralen Schriftstellerhauses statt sowie am Patriarshije Prudij (Teich des Patriarchen), wo sein Roman beginnt.

Der Dichter und Romanschriftsteller Michail Lermontow studierte an der Universität Moskau und lebte in einer Abzweigung der heutigen Novy Arbat. Das Haus von Iwan Turgenjews Mutter, wo er während seines Moskau-Aufenthalts wohnte, kann besichtigt werden. Victor Pelevin, der das neuere Werk The Clay Machine Gun (1996, Das Maschinengewehr aus Ton) verfaßte, ist schon mit Martin Amis verglichen worden. Einen Mangel an Werken von ausländischen Romanschriftstellern über den Kalten Krieg gibt es ganz gewiß nicht - Moskau war der Lieblingsschauplatz von John Le Carré und ist der Schauplatz des epischen Werks Gorky Park (1981) von Martin Cruz Smith.