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Nachtleben in Lissabon
Nachtleben
Da manche Gegenden der Stadt sich voll und ganz dem Vergnügen verschrieben haben und es dort am Wochenende von 04.00-05.00 Uhr nachts sogar zu Verkehrsstaus kommt, ist es offensichtlich, daß Lissabon eine Stadt ist, die das Nachtleben ernst nimmt. Es konzentriert sich seit langem im Bairro Alto, wo man Fado-Clubs, traditionelle Bars und noble Discos findet. Am besten man schaut einfach in ein paar Lokale rein und läßt sich dort mit einem imperial (kleines Glas Bier) oder einem caneca (großes Glas) nieder, wo es am einladendsten aussieht. Die Bars sind bis 04.00 Uhr geöffnet, bei einigen muß man klingeln, um hereingelassen zu werden. Ein Bier kostet in Lissabon im Schnitt 1,65 , und das gesetzliche Mindestalter für den Kauf von Alkohol ist 16 Jahre.
Das Nachtleben hat sich neuerdings zum großen Teil auf die Dockgegend (Docas) verlegt, direkt östlich der Ponte 25 de Abril. Hier findet man in einer Reihe von umgebauten Lagerhäusern an der Doca de Santo Amaro eine Bar neben der anderen, von denen viele an der lebhaften Promenade Sitzgelegenheiten haben. Etwas weiter in Richtung zur Stadt befinden sich die Doca de Alcântara eine Dockgegend, die in den letzten Jahren besonders bei den wohlhabenden Geschäftsleuten und den Szenegängern beliebt geworden ist. Um etwa 02.00 Uhr begeben sich viele Einheimische in die zahlreichen Discos der Stadt, in denen das Leben bis um 06.00 Uhr oder noch später pulsiert. In vielen Lissabonner Clubs wird der Eintrittspreis vom Türsteher bestimmt und liegt meistens zwischen 5 und 10 (häufig sind ein oder zwei Freigetränke mit inbegriffen).
Eine gute Informationsquelle zu neuen Bars, Clubs und Restaurants in Lissabon ist das englischsprachige Magazin Time Out (Internet: www.timeout.com).
Bars
In der Häuserzeile östlich der Ponte 25 de Abril stehen unzählige konkurrierende Bars zur Verfügung, u. a. die beliebte Celtas Iberos Irish Bar, Doca de Santo Amaro. In der Bairro Alto das richtige Lokal zu finden, ist etwas komplizierter. Am besten geht man vom Praça Luís de Camões den Hügel hinauf, westlich der U-Bahnstation Chiado. Der Clube da Esquina, Rua Barroca 30, ist eine moderne, minimalistisch eingerichtete Bar, welche die coolen Einheimischen anlockt. Eine der lebhafteren Straßen ist die Rua da Atalaia. Hier ist das einladende Portas Largas, Nr.105, ein guter Ausgangspunkt. Eine Bar im traditionellen Kantinenstil ist das Arroz Doce, Nr. 117-119, und der ideale Ort, um sich ein pontapé na cona zu bestellen. Im Gebäude Nr. 36 befindet sich die schicke Bar Fátima Lopes mit ihren modernen Sofas und ebensolcher Tanzfläche. Nachteulen können im gleichnamigen Designerladen (Fátima Lopes) bis 04.00 Uhr einkaufen. Ein eher lässiges Lokal mit unverputzten Steinmauern und atmosphärischer Musik ist das Work in Progress (WIP), Rua da Bica Duarte Belo 47-49.
Kasinos
Neu ist das Casino Lisboa (Internet: www.casino-lisboa.pt) im ehemaligen Pavilhão do Futuro der Weltausstellung 1998 im Stadtteil Parque das Nações, das sich eher an ein jüngeres Publikum wendet.
Das Casino Estoril (Internet: www.casino-estoril.pt), Praça Jose Teodoro dos Santos, Estoril, ist eines der größten und bekanntesten Kasinos in Europa. Für das Betreten der Spielzimmer (außer Spielautomaten) wird eine Gebühr von 2,50 verlangt. Einlaß ist nur für Gäste über 18 Jahre mit Ausweis. Es wird elegante Kleidung verlangt. Das Kasino wendet sich eher an ein älteres Publikum.
Clubs
Rund um den Doca de Alcântara befinden sich zahlreiche Clubs. Von der Musik unterscheiden sie sich nicht sehr, das Kings and Queens, Doca de Alcântara, zieht aber Jungen und Mädchen jeglicher Veranlagung und Vorlieben an. Beliebt sind das Kremlin, Escadinhas da Praia 5, und das nahe gelegene Kapital, Avenida 24 de Julho 68. Im ägyptisch eingerichteten Kremlin wird Techno gespielt, im Kapital gibt es auf jedem der drei Stockwerke andere Musik. Die zweifellos angesagteste Disco der Stadt ist das besonders stilvolle Lux, Rua Gustavo Matos Sequeira 42, das zu einem der besten 35 Clubs der Welt gewählt wurde und keinen Eintritt verlangt. Die legendäre kapverdianische Diskothek B.Leza befindet sich im alten Teatro ABC und ist mit der Metro Avenida zu erreichen.
Die besten portugiesischen DJs, aber auch bekannte Größen aus dem europäischen Ausland sind in diesem noblen Club schon aufgetreten. Außer der riesigen Tanzfläche hat das Lux im oberen Stockwerk eine ruhige Ecke zum Entspannen mit gemütlichen Sofas, Sitzsäcken für zwei und einer Terrasse mit Ausblick auf den Fluß.
Live-Musik
Fado nennt man eine Musikart, die sich Ende des 18. Jahrhunderts in den Lissabonner Seemannskneipen entwickelte und mit traurigem, romantischem Gesang, den man zwischen Blues und Flamenco ansiedeln könnte, den Niedergang des goldenen Zeitalters in Portugal beklagt. Am besten hört man sich diese traditionellen Klänge zwischen 21.00-22.00 Uhr in einem der casa de fado an. Ein beliebtes Lokal für Jazz-Gigs ist der Hot Clube de Portugal, Praça de Alegria 38-39. Live-Jazz wird donnerstags auch in der Catacumbas Jazz-Bar, Rua da Rosa 154, gespielt. Afrikanische und brasilianische Musik kann man sich im Lontra, Rua de São Bento 157, in der Bairro Alto anhören und im Pê Sujo, Rua Madalena 102-8, im Bezirk Alfama nahe der Kathedrale. Große Konzerte finden im Atlântico Pavilion, Rossio dos Olivais, statt (s. Stadtbesichtigung).
Kultur
Die Kulturszene Lissabons ist heute eine Collage aus Altem und Neuem. Auch bei den modernen Veranstaltungsorten der Stadt macht sich die eindrucksvolle Geschichte Lissabons bemerkbar. Lissabon hat eine außerordentliche Anzahl an Veranstaltungsstätten, und viele Ensembles treten an diversen Aufführungsorten auf, u. a. in Parks und öffentlichen Palästen.
Veranstaltungsverzeichnisse findet man im alle zwei Wochen erscheinenden Follow me Lisboa. Für Besucher, die sich mal an Portugiesisch versuchen möchten, gibt es die monatlich von der Stadtverwaltung herausgegebene Agenda Cultural (Internet: www.hpv.pt/lisboa/agenda/outras.html) mit ihren ausführlichen Verzeichnissen (in den Sommermonaten enthält sie eine Zusammenfassung in Englisch). Karten zu Veranstaltungen sind bei der Agência de Billetes para Espectáculos Públicos (ABEP) erhältlich, u. a. befindet sich eine Vertretung an der südöstlichen Ecke des Praça dos Restauradores. Ticket Line (Tel: (21) 712 03 00) bietet ebenfalls Eintrittskarten zu vielen beliebten Aufführungen an.
Musik
Das Orquestra Sinfónica Portuguesa (Portugiesisches Sinfonieorchester) ist heute im Teatro Camões (Tel: (21) 891 77 53) auf dem ehemaligen Gelände der Expo '98 im Parque das Nações ansässig. In den Konzerthallen und dem Amphitheater der Fundação Calouste Gulbenkian, Avenida de Berna 45A (Tel: (21) 793 51 31), neben dem Museum, treten u. a. das Gulbenkian-Orchester und der Gulbenkian-Chor auf. Opern und klassische Konzerte werden während der Saison von September bis Juni im Teatro Nacional de São Carlos, Rua Serpa Pinto 9 (Tel: (21) 346 84 08), aufgeführt. Weitere klassische Musikensembles sind die Sinfonietta de Lisboa (mit Sitz im Teatro Nacional de São Carlos) und das Orquestra Metropolitana de Lisboa. Eine wichtige Veranstaltungsstätte ist auch das Coliseu dos Recreios, Rua das Portas Santo Antão 92 (Tel: (21) 343 16 77).
Theater & Konzerte
Unter den vielen schönen Theatern in Lissabon ist das Teatro Nacional de Dona Maria II, Praça de Dom Pedro IV, Rossio (Tel: (21) 325 08 00), das auffälligste. Theater- und Operninszenierungen werden auch im Pequeno und Grande Auditório (Kleines und Großes Auditorium) des Centro Cultural de Belém, Praça do Império (Tel: (21) 361 24 00 oder 24 44. Internet: www.ccb.pt), aufgeführt. Die meisten Theatervorstellungen in Lissabon finden natürlich in Portugiesisch statt, es gibt allerdings auch einige wenige Aufführungen in Englisch. Die Klassiker sieht man immer noch gerne, zeitgenössische portugiesische und politische Werke gewinnen aber zunehmend an Beliebtheit. Auf politisches Theater hat sich die alternative Theatertruppe Artistas Unidos spezialisiert, die häufig im Teatro Municipal de São Luís, Rua António Maria Cardoso 40 (Tel: (21) 346 12 60/53 58), auftritt.
Tanz
Das portugiesische Nationalballett, die Companhia Nacional de Bailado (Internet: www.cnb.pt), ist im Teatro Camõesk, Parque das Nações, ansässig. Andere Veranstaltungsorte für Tanz sind das Centro Cultural de Belém, Praça do Império (Tel: (21) 361 24 00/24 44. Internet: www.ccb.pt) und die Fundação Calouste Gulbenkian, Avenida de Berna 45A (Tel: (21) 793 51 31).
Film
Spielfilme werden fast immer im Originalton mit portugiesischen Untertiteln gezeigt, englischsprachige Filme vor allem in den Multiplex-Kinos der größeren Einkaufszentren. Filmverzeichnisse findet man in der Zeitung Diário de Notícias. Zu den Mainstream-Kinos gehören u. a. das Amoreiras, Avenida Engengeiro Duarte Pacheco (Tel: (21) 387 87 52) und das Colombo, Centro Colombo, Avenida Luisada (Tel:(21) 711 32 00). Am nördlichen Rand des Parque das Nações befindet sich außerdem ein Autokino. Die Filme beginnen um 22.00 Uhr und kosten 7,50 pro Wagen. Für Freunde von Experimentalfilmen sorgt das Londres, Avenida de Roma 7A (Tel: (21) 840 13 13).
Der älteste Taxifahrer der Welt und sein Oldtimer von 1928 sind die Stars des Films Lisboa Taxi (1996), der im Januar 1997 Premiere hatte.
Kulturelle Veranstaltungen
Seit dem 16. Jahrhundert wird die Procissão do Senhor dos Passos veranstaltet, eine Prozession mit lila überdachten Sänften durch die Straßen des Bezirks Graça zu Ehren von Senhor dos Passos (2. Sonntag der Fastenzeit). Im Juni finden die beliebtesten religiösen Feste von Lissabon mit Paraden und Feierlichkeiten zu Ehren verschiedener Heiliger statt. In vielen Dörfern des Umlands finden ähnliche Umzüge statt.
Literarische Anmerkungen
Der berühmteste Schriftsteller Portugals war Luís de Camões, der im 16. Jahrhundert mit seinem Gedicht Os Lusíadas (1572) das Wesen des portugiesischen Reiches in Worte faßte. Ebenfalls sehr berühmt war der 1888 in Lissabon geborene Dichter Fernando Pessoa. Pessoa schrieb allerdings nicht nur Gedichte, sondern wirkte auch bei dem Magazin Orpheu (1914 gegründet) mit, das einen bedeutenden Beitrag zum kulturellen Diskurs der Zeit lieferte. Der gebürtige Portugiese José Saramago, der 1998 den Nobelpreis für Literatur gewann, ist Autor des Wälzers Die Geschichte der Belagerung von Lissabon von 1989, einer phantasievollen Schilderung der Belagerung der Stadt im Jahr 1147. Lissabon erscheint allerdings auch in den Werken von nichtportugiesischen Schriftstellern. Das Erdbeben von 1755 z. B. ist ein wichtiges Symbol in Voltaires Candide (1759), und der englische Schriftsteller Henry Fielding, der aus gesundheitlichen Gründen nach Lissabon zog, vollendete dort sein Werk Das Tagebuch einer Reise nach Lissabon (1755) und verstarb kurze Zeit darauf in der Stadt. Weitere, neuere Werke sind u. a. Mario de Sa-Carneiros The Great Shadow (Der große Schatten, von ca. 1915), eine Sammlung von Kurzgeschichten mit Schauplatz Lissabon, und Cees Nootebooms Die Folgende Geschichte (1991), eine surrealistische Erzählung von einem Lehrer, der in Amsterdam einschläft und in Lissabon aufwacht.
