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Nachtleben in Hongkong

Nachtleben

Die 'Stadt des Lebens“ lebt besonders nachts: in den meisten angesagten Lokalitäten der Stadt spielt sich bis Mitternacht kaum etwas ab, und das Tempo ist nachts noch hektischer als am Tag. Unternehmungslustige China-Fans können versuchen, zu einem örtlichen Karaoke-Abend eingeladen zu werden, und bei literweise Bier zu kantonesischen Pop-Videos in ein Mikrophon trällern oder sich zu einer der unglaublichen Diskos aufmachen, die man im finstersten Kowloon findet. Andere, die sich den exzessiven Trinkgelagen der ansässigen Ausländer zugesellen wollen, sollten sich in das winzige Viertel Lan Kwai Fong in Central aufmachen, wo es eine besonders hohe Dichte an Bars und Restaurants gibt. Etwas schickere und lässigere Vergnügungsstätten findet man in Soho ('South of Hollywood Road“) gleich neben dem Mid-Levels Escalator. Die chinesischen Einheimischen zieht es vor allem in die mit Bars und Clubs übersäte Gegend Tsim Sha Tsui. Strip- und Sexlokale, in denen vor allem arme Mädchen von den Philippinen oder aus Thailand arbeiten, finden sich in Wan Chai. Trotz der lächerlich strengen Lärm-Auflagen bei Open-Air-Veranstaltungen – daran zeigt sich der Einfluß, den wohlhabende Anwohner mit guten Beziehungen zur Stadtverwaltung haben – ist Live-Musik äußerst beliebt, und das Angebot groß. Einzelheiten und Informationen über Raves, die jede Woche mindestens einmal stattfinden, erhält man in den kostenlosen Veranstaltungsverzeichnissen der Zeitschriften BC Magazine und HK Magazine.

Bars

Prominente, hier lebende Ausländer sowie einheimische Hongkonger trifft man in der freundlichen, mit Holz und Marmor ausgestatteten Bar The Bayou, 9-13 Shelley Street. Mes Amis, 81-85 Lockhart Road ist die entspannteste und zivilisierteste aller Wan Chai Bars. Etwas Abenteuerlustigere sollten das Dusk Till Dawn, 76 Jaffe Road ausprobieren. Die zweifelsohne beliebteste Lokalität in Lan Kwai Fong ist das Insomnia, 38-44 D'Aguilar Street, dessen Mauerwerk und Loggia im florentinischen Stil eine gewisse Klasse verbreiten; die hier auftretenden philippinischen Mädchenbands und die unaufhörliche Disko-Musik passen allerdings nicht dazu. Nur ein paar Häuser weiter befindet sich die neueste Konkurrenz, The Fong, 34-36 D'Aguilar Street, eine wesentlich schickere Bar mit Restaurant. Das California, 30-32 Lan Kwai Fong, wurde kürzlich komplett umgebaut und ist seit langem eine Bastion der Investment-Banker und den von ihnen angelockten Frauen. Unter dem California befindet sich jetzt die Kellerbar C Club, deren Besitzer hoffen, vom Erfolg des California zu profitieren. Vom La Dolce Vita, 9 Lan Kwai Fong, hat man den besten Ausblick auf die Menschenmassen auf den Straßen von Lan Kwai Fon. Das edle Post97, 9 Lan Kwai Fong, liegt überhalb des La Dolce Vita und verströmt vornehme Ruhe. Drüben in Kowloon findet man vor Rick's Café, 4 Hart Avenue, Samstag nachts wahrscheinlich nicht umsonst die längsten Schlangen.

Kasinos

Hongkong hat keine Kasinos, das berühmte Spielerparadies Macau aber um so mehr. Man erreicht es in nur 50 Minuten mit einem der Tragflächenboote, die nur wegen der chinesischen Leidenschaft fürs Spielen die ganze Nacht über verkehren. Für die Fahrt nach Macau wie auch für den Besuch der Kasinos, sollte man seinen Reisepaß dabeihaben. Macau hat insgesamt neun Kasinos, in denen die Kleiderordnung von lässig elegant bis formell reicht. Die besten Kasinos befinden sich im Hotel Lisboa and Casino, 2-4 Avenida de Lisboa, Macao City, im Mandarin Oriental Macao, 956-1110 Avenida da Amizade, Macao City und im Hyatt Regency and Taipa Island Resort, 2 Estrat Almirante Amrquesa, Taipa Island.

Clubs

Hongkongs Clubs sind unweigerlich überfüllt; die Musik der DJs ist jedoch oft von Weltklasse. Die längsten Schlangen findet man vor dem derzeit angesagtesten Club in Central, dem C Club, 30-32 Lan Kwai Fong. Das Queen's, 31 Queen's Road im Queen's Theatre wurde vor kurzem renoviert, so daß die Q-förmige Bar nun verschwunden ist und auch die Tanzfläche vergrößert wurde. Hier werden Raves und Club-Events regelmäßig veranstaltet. Das Liquid, 1-5 Elgin Street, ist bis 04.00 Uhr morgens geöffnet und das Level Twenty Seven, im 27. Stockwerk auf der 97A Wellington Street, ist bekannt für seine Drum n' Bass-Nächte und die Dachterasse für Raucher. Zaghaftere Gemüter sollten das Joe Bananas, 23 Luard Road, vermeiden. Dieser Club mit seinen aufgemotzten Bars an beiden Seiten ist der Abschlepp-Schuppen schlechthin und veranstaltet billige Modell-Nächte, an denen langbeinige Suzie Wongs sich Bonzen in dreiteiligen Anzügen an den Hals werfen. Um den Titel des 'unmodernsten Clubs“ könnten sich Club 97, 9 Lan Kwai Fong und Red Rock, 57-59 Wyndham Street, streiten. Der Club Ing, 4f, Renaissance Harbour View, 1 Harbour Road, ist eine Hotel-Disko mit wechselhaftem Ruf und viel Glas und Chrom; die 'Ladies' Night“ am Donnerstag aber gehört zum Standardprogramm vieler westlicher Teenager und ihren Verehrern aus der Geschäftswelt.

Live-Musik

Was in Hongkong unter Stadien-Rockmusik fällt, kann man normalerweise im Hong Kong International Trade and Exhibition Centre (HITEC), 1 Trademart Drive, Kowloon Bay, bzw. dem Hong Kong Convention and Exhibition Centre, 1 Expo Drive, hören. An philippinischen Live-Bands, deren Qualität von brillant bis unerträglich reicht, wimmelt es in Hongkong nur so. Einige der besten kann man im Dusk Till Dawn, 76 Jaffe Road, hören oder bei der größten Konkurrenz in der Nähe, dem The Wanch, 54 Jaffe Road. Viel mehr als nur Jazz wird im The Jazz Club, 34-36 D'Aguilar Street, gespielt.

Kultur

Es mag sich zwar wenig überzeugend anhören, aber es gibt tatsächlich Kultur in Hongkong. Der Ruf der Stadt, eine geschmack- und kulturlose Stadt voller Kapitalisten zu sein, hat nicht gerade dazu beigetragen, sich in der internationalen Kulturszene mehr Gehör zu verschaffen; man sollte allerdings nicht vergessen, daß Hongkong in China die treibende Kraft in Sachen Film und Medien ist, einer der wenigen Bereiche, in denen chinesische Kunst und Kultur ohne politische und ideologische Einmischung florierten. Die Chinesische Oper im China Club hatte z.B. nie mit den maoistischen Auflagen zu kämpfen, die sie auf dem Festland belasteten.

Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen sind bei Cityline (Tel: 23 17 66 66. Internet: www.cityline.com.hk) erhältlich. Veranstaltungskalender werden im BC Magazine und HK Magazine veröffentlicht.

Musik

Das Hong Kong Philharmonic Orchestra (Tel: 27 21 20 30. Internet: www.hkpo.com) ist das Ensemble der Stadt. Es tritt häufig bei Galaveranstaltungen von Unternehmen auf, die das Jahresprogramm des Orchesters finanzieren. Von September bis Juli hat das Ensemble seinen Sitz im Hong Kong Cultural Centre, 10 Salisbury Road (Tel: 27 34 20 09. Internet: www.lcsd.gov.hk/ce/culturalservice/hkcc) und wird vom Hong Kong Chinese Orchestra (Tel: 28 53 26 22. Internet: www.hkco.org) unterstützt. Gastspiele von anderen Orchestern mit unterschiedlichem Niveau finden in Hongkong häufig statt. In der Hong Kong Academy for Performing Arts, 1 Gloucester Road (Tel: 25 84 85 00. Internet: www.hkapa.edu) werden ebenfalls regelmäßig Konzerte aufgeführt. Traditionelle chinesische Opernvorführungen finden im China Club, 13F Old Bank of China Building, Bank Street (Tel: 25 21 88 88) statt. Es ist sehr schwierig, hier Zutritt zu bekommen, alleine wegen der dort ausgestellten modernen chinesischen Kunstwerke lohnt sich jedoch ein Versuch.

Theater & Konzerte

Die Hong Kong Academy of Performing Arts, 1 Gloucester Road (Tel: 25 84 85 00. Internet: www.hkapa.edu), das Hong Kong Cultural Centre, 10 Salisbury Road (Tel: 27 34 20 09) und das Hong Kong Arts Centre (Tel: 25 82 02 00) sind Stätten von hohem kulturellen Niveau. Ausgefallenere Stücke finden meistens im Star Alliance Theatre, The Fringe Club, South Block, Lower Albert Road, Central (Tel: 25 21 72 51. Internet: www.hkfringe.com.hk) statt.

Tanz

Das Hong Kong Ballet (Tel: 25 73 73 98) ist die klassische Ballett-Truppe der Stadt und tritt häufig im Hong Kong Cultural Centre (Tel: 27 34 20 09. Internet: www.lcsd.gov.hk/ce/culturalservice/hkcc) und Ko Shan Theatre, 77 Ko Shan Road, Hunghom, Kowloon (Tel: 23 30 56 61) auf. Die Hong Kong Dance Company (Tel: 29 67 82 53. Internet: www.hkdance.com) hat ein traditionelles chinesisches Repertoire; ein moderneres Ensemble dagegen ist die City Contemporary Dance Company (Tel: 23 26 85 97. Internet: www.ccdc.com.hk).

Film

Jackie Chan und Bruce Lee sind immer noch häufig imitierte Kultstars der örtlichen Filmbranche, obwohl die Produktionen der letzten Zeit eine größere Bandbreite abdeckt haben und weniger aktionsgeladen waren. Unterdessen entwickelten John Woo und Chow Yun-Fat das kantonesische Gangster-Genre weiter und produzierten A Better Tomorrow (1986).

Die Kinoketten UA und Golden Harvest sind die größten kommerziellen Filmtheater Hongkongs, und zu ihren wichtigsten Multiplex-Kinos gehören UA Pacific Place, 1 Pacific Place, 88 Queensway, Admiralty (Tel: 28 69 03 22), UA Times Square, Times Square, Causeway Bay (Tel: 25 06 28 22) und Golden Gateway Multiplex, The Gateway, 25 Canton Road, Tsim Sha Tsui (Tel: 29 56 34 28). Experimentalfilme werden vor allem im Lim Por Yen Film Theatre im Hong Kong Arts Centre, Upper Basement, 2 Harbour Road, Wan Chai (Tel: 25 82 02 00) gezeigt.

Kulturelle Veranstaltungen

Das jährlich von Februar bis März im Rathaus der Stadt stattfindende Hong Kong Arts Festival (Tel: 28 24 35 55. Internet: www.hk.artsfestival.org) bietet diversen Veranstaltungen und Truppen aus aller Welt. Das im Januar/Februar stattfindende City Festival, dessen Schwerpunkt auf Darbietungen von örtlichen Künstlern liegt und vom Fringe Club finanziert wird, konkurriert mittlerweile hinsichtlich der Vielseitigkeit und des Inhalts mit seiner größeren Schwesterveranstaltung und hat zweifellos einen besseren Unterhaltungswert. Beim Festival of Asian Arts im Oktober/November werden die traditionellen Künste der Region vorgestellt, z.T. wird es mit dem Hong Kong Folk Festival im November verbunden. Das Hong Kong Youth Arts Festival (Internet: www.hkyaf.com) findet von Oktober bis Dezember statt.

Literarische Anmerkungen

Hongkong hat in der klassischen Weltliteratur keinen großen Eindruck hinterlassen – wahrscheinlich hat es dieser Stadt anders als dem benachbarten Shanghai zu lange in seiner Geschichte an Reiz gefehlt. Die kantonesische Literatur hat zwar eine äußerst reiche Tradition, konnte aber in westliche Sprachen übersetzt nur wenig Erfolg verzeichnen. Einige der besten Werke über Hongkong gehören nicht zur Belletristik, sondern fallen in das Genre der Geschichts- und Reiseliteratur. Da Hongkong die letzten 150 Jahre unter britischer Kolonialherrschaft stand, sind auch die meisten Werke über Hongkong, sowohl Romane als auch politische und wirtschaftliche Analysen, von britischen Autoren verfasst. Eine sehr gute Geschichtsabhandlung ist A Borrowed Place: A History of Hong Kong (1997) von Frank Welch. Jan Morris' Hong Kong – Epilogue to an Empire (1997) ist ein lyrisches Resumée des Wesens dieser Stadt am Ende der Kolonialzeit und wurde vor kurzem aktualisiert, um die Ereignisse der letzten Zeit mit abzudecken. Mark Robertis The Fall of Hong Kong: China's Triumph and Britain's Betrayal (1996) ist ein begreiflicherweise ungehaltener Überblick über die Ereignisse vor und nach der Übergabe 1997. Ein etwas neutralere Analyse der Übergabe Hongkongs an China ist Hongkong. Eine Bilanz (2002) von Adrian Seeger und Christian Theisen.

Was die Romanliteratur angeht, ist Hongkong der Schauplatz einiger Spionagethriller und Krimis, sowohl bei deutschsprachigen als auch englischen Autoren. Dennoch sind wohl die bekanntesten Werke von britischen Schriftstellern verfasst worden. Unter diese fällt auch Paul Theroux's Kowloon Tong (1997), ein Roman, der sich auf die kulturellen Wechselbeziehungen und Hinterlassenschaften aus der Kolonialzeit konzentriert. Im Mittelpunkt steht dabei eine in Hongkong ansässige englische Handelsfamilie, die sich kurz vor der Übergabe in einer Notlage befindet. John Le Carrés The Honourable Schoolboy (1977) gehört zu den besseren Spionageromanen, die dieses Gebiet behandeln. Jeder, der einen erfolgreich verfilmten Roman über Hongkong lesen möchte, sollte sich James Clavell's Noble House Hongkong (1981) und Tai-Pan (1966) vornehmen. Erwähnt werden sollte außerdem Richard Masons Suzie Wong (1957) in dem mehr künstliche Romantik vorgegaukelt wird, als man jemals in einer der Striptease-Bars in Wan Chai finden wird. Der Erfolg des von diesem Buch inspirierten Films ist Bestätigung genug, daß Hong Kong am besten auf der Leinwand festgehalten worden ist, und Jackie Chan macht sich als verwegener Haudegen und Vertreter dieser Kultur und Stadt besonders gut.