Jemen Reise- und Sicherheitsinformationen

Jemen

Sicherheitshinweis vom Auswärtigen Amt:
Stand: 08.02.2012
Unverändert gültig seit: 02.02.2012

Reisewarnung

Aufgrund der aktuellen Lageentwicklung wird vor Reisen nach Jemen gewarnt.

Deutsche Staatsangehörige in Jemen werden nachdrücklich aufgefordert, das Land unverzüglich zu verlassen.

Die deutsche Botschaft in Sanaa wird derzeit schrittweise wiedereröffnet und kann nur in Notfällen konsularische Hilfestellung leisten. Die Visastelle bleibt bis auf weiteres geschlossen. Anfragen zu Jemen können an das Auswärtige Amt Berlin, Telefon (030) 5000-0 gerichtet werden.

In Jemen bestehen erhebliche Risiken durch interne Konflikte, terroristische Anschläge, Entführungen und Stammeskonflikte, die in einzelnen Landesteilen immer wieder aufflammen. Im Januar 2012 sind sechs Mitarbeiter der Vereinten Nationen, darunter ein Deutscher, im Jemen verschleppt worden.

In Sanaa und in anderen Landesteilen Jemens ist es seit Mai 2011 immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und der bewaffneten Opposition gekommen, bei denen auch schwere Infanteriewaffen eingesetzt wurden. Auch sind Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen.

Nach monatelangen Verhandlungen wurde am 23. November 2011 ein Machttransferabkommen zwischen der Regierung und der Opposition unterzeichnet, das nun schrittweise umgesetzt wird. Vorzeitige Präsidentschaftswahlen sind für den 21. Februar 2012 angekündigt. Am 7. Dezember 2011 wurde eine Übergangsregierung einberufen. Eine nachhaltige Verbesserung der Sicherheitslage steht noch aus. Der am 18. März 2011 von der Regierung verhängte landesweite Ausnahmezustand ist weiterhin in Kraft.

In der Hauptstadt Sanaa ist die Konfliktlage derzeit weitgehend auf den Norden Sanaas beschränkt. Sicherheitsvorfälle in anderen Stadtgebieten können jedoch nicht ausgeschlossen werden und kommen auch im Umland Sanaas vor. Beeinträchtigungen des kommerziellen Flugverkehrs sind vor diesem Hintergrund nicht auszuschließen.

Auch in anderen Landesteilen Jemens kommt es weiterhin zu teils heftigen gewaltsamen Auseinandersetzungen von miteinander rivalisierenden Parteien, auch im Rahmen von Demonstrationen.

In einigen Gebieten der ehemaligen Südprovinzen finden Kämpfe militanter Kräfte gegen Regierungstruppen statt, bei denen auch um die Kontrolle einzelner Kommunen und Stadtgebiete gerungen wird.

Auch terroristisch motivierte Anschläge können nicht ausgeschlossen werden.

Vor den Küsten Somalias und seiner Nachbarstaaten sowie in den angrenzenden Gewässern besteht weiterhin ein sehr großes Risiko von Piratenangriffen und Kaperungen. Inzwischen werden auch Schiffe tief im Indischen Ozean (um die Seychellen und Madagaskar) sowie vor Kenia, Tansania, Mosambik, Jemen und Oman angegriffen und gekapert. Schiffsführern in den vorgenannten Gebieten wird dringend empfohlen, höchste Vorsicht walten zu lassen. Trotz der internationalen Bemühungen zur Eindämmung der Piraterie bleibt die Zahl der Piratenangriffe unverändert hoch; ein wirksamer Schutz kann nicht garantiert werden. Schiffsführern in den gefährdeten Gewässern wird eine Registrierung beim Maritime Security Centre unter www.mschoa.org dringend empfohlen.

Terrorismus

In Jemen kommt es immer wieder zu terroristischen Anschlägen durch einen regionalen Ableger des Terrornetzwerks Al-Qaida. Wiederholt drohte das Netzwerk im Internet auch mit Entführungen nicht-islamischer Ausländer in Jemen und auf der gesamten arabischen Halbinsel. Westliche Ausländer – darunter nicht zuletzt deutsche Staatsangehörige – sind besonders gefährdet.

Am 4. Januar 2012 stürmten islamistische Militante ein Hotel in Aden, in dem Alkohol ausgeschenkt worden sein soll. Es kam zu zwei Todesopfern und mehreren Verletzten. Am 24. Juli 2011 wurden bei einem Selbstmordanschlag in Aden mindestens acht Soldaten durch eine Autobombe in unmittelbarer Nähe eines Armeecamps getötet. Am 20. Juli 2011 kam in Aden ein britischer Staatsangehöriger durch eine Autobombe ums Leben. In den Jahren 2007, 2008 und 2009 wurden bei verschiedenen Anschlägen auf Reisegruppen mehrere Touristen getötet, im Jahr 2010 kam es zu zwei Anschlägen auf Fahrzeuge der britischen Botschaft.

Interne Konflikte 

Die Zentralregierung hat die Kontrolle über weite Landesteilen verloren oder übt diese nur noch unzureichend aus.

Die gesamte Provinz Sa'ada und Teile der Provinz al-Dschauf sind nicht mehr unter Regierungskontrolle. In den letzten Monaten kam es zu gewaltsamen Angriffen der Al-Houthi-Rebellen gegen Salafisten und Anhänger der Islah-Partei. In einzelnen Bezirken des angrenzenden Gouvernorats Amran können immer wieder Kampfhandlungen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen aufflammen. 

Arhab, ca. 20km nördlich der Hauptstadt Sanaa gelegen, war in den letzten Monaten mehrfach Schauplatz von Auseinandersetzungen von Al-Qaida-nahen Kräften (vermutlich unterstützt von dem abtrünnigen General Ali Muhsin) mit den Republikanischen Garden, deren zwei Kasernen sie zu stürmen versuchten. 

Die Stadt Taiz im Südwesten Jemens ist durch das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten sowie Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Stammeskriegern gekennzeichnet: wiederholt kam es zu Straßenschlachten unter Einsatz von schweren Schusswaffen.

In den Südprovinzen, insbesondere in der Region Abyan, finden seit Monaten immer wieder heftige Kampfhandlungen zwischen militanten Kräften, die al-Qaida nahestehen, und Regierungstruppen statt. Darüber hinaus strebt die südjemenitische Bewegung („al-hirak al-ganubi") weiterhin die Unabhängigkeit bzw. Autonomie des seit 1990 mit dem Nordjemen vereinigten Südens an. Die Spannungen zwischen Nord- und Südjemen tragen zur Instabilität des Landes bei.

Gewaltsame Auseinandersetzungen können auch in anderen Landesteilen aufflammen.

Entführungen

Immer wieder kommt es in Jemen zu Entführungen ausländischer Staatsangehöriger; auch deutsche Staatsangehörige waren mehrfach betroffen. Häufig versuchten lokale Stämme damit von der eigenen Regierung Gegenleistungen zu erpressen.

Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel hat wiederholt zu Entführungen aufgerufen; es liegen Hinweise auf konkrete Planungen für Entführungen westlicher Ausländer durch das Terrornetzwerk vor. Entführungen können sich grundsätzlich im ganzen Lande, auch in den Städten, ereignen.

Im Januar 2012 ist eine Gruppe von Mitarbeitern der Vereinten Nationen, darunter ein Deutscher, 50 km nordwestlich von Sanaa verschleppt worden. Kurz zuvor war ein norwegischer VN-Mitarbeiter in Sanaa entführt und knapp zwei Wochen später wieder freigelassen worden.

Am 12. Juni 2009 wurden mehrere Ausländer, darunter auch Deutsche, in der Region Sa'ada verschleppt. Drei Frauen dieser Gruppe sind brutal ermordet worden, zwei Kinder kamen erst im Mai 2010 frei. Weitere Gruppenmitglieder werden noch vermisst.

Minengefahr

Bei Reisen in den Süden des Landes wird wegen nicht eindeutig lokalisierter Minenfelder von Fahrten abseits befestigter Straßen abgeraten, auch wenn während der letzten Jahre ein Großteil der Gebiete gesäubert werden konnte. Es verblieben Minen insbesondere entlang der Hauptstraße von Aden nach Sana'a bis Al-Anad, entlang der Küstenstraßen östlich von Aden sowie westlich von Mukalla und um die Hafenstadt Bir Ali. Neue Minenfelder soll es im Bereich der Konfliktgebiete in der Region Sa'ada geben.

Schiffsreisen/ -expeditionen

Von individuellen Schiffreisen vor und in den jemenitschen Küstengewässern wird dringend abgeraten. Aufgrund der militärischen Bedeutung der Inseln im Roten Meer sind diese zum Großteil militärisches Sperrgebiet. Wegen Fischereirechten im Roten Meer treten regelmäßig Konflikte mit Eritrea auf. Im Gebiet Bab al-Mandab und den Somalia vorgelagerten Gewässern werden zunehmend Piraterievorfälle sowie Probleme wegen des Flüchtlingsschmuggels von Somalia nach Jemen gemeldet. Bitte beachten Sie die Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Somalia und die Gewässer um das "Horn von Afrika"

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