Sudan Reise- und Sicherheitsinformationen

Sicherheitshinweis vom Auswärtigen Amt:
Stand: 04.01.2010

Dringende Sicherheitshinweise - Gefahr von Entführungen und Anschlägen

In den nordafrikanischen und den südlich an die Sahara grenzenden Ländern wächst die Gefahr des islamistischen Terrorismus und krimineller Übergriffe. Sowohl kriminelle Banden als auch Al-Qaida im Maghreb (AQiM) suchen derzeit gezielt nach Ausländern zum Zwecke der Entführung; in Niger, Mali und Mauretanien kam es auch in jüngster Zeit zu Entführungen. Wirksame Gegenmaßnahmen gegen diese Terrorgruppe zeichnen sich nicht ab. Es ist, wie aktuelle Hinweise bestätigen, jederzeit mit weiteren Entführungen westlicher Staatsangehöriger zu rechnen. Gerade auch deutsche Staatsangehörige sind einer deutlich ansteigenden Anschlags- und Entführungsgefahr ausgesetzt. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in entlegene, nicht hinreichend durch wirksame Polizei- oder Militärpräsenz gesicherte Gebiete der Sahara und ihrer Randbereiche eindringlich ab.

Deutlich erhöhte Anschlags- und Entführungsrisiken bestehen u.a. für touristische Ziele, an denen regelmäßig westliche Staatsangehörige verkehren. In einigen Gebieten, insbesondere in der Sahel-Sahara-Region, sind Sport- und Kulturveranstaltungen wie Wüsten-Rallyes oder Musikfestivals mit erheblichen Anschlags- und Entführungsrisiken verbunden.

Die Sicherheitsrisiken für Reisende differieren von Land zu Land und sind regelmäßig selbst innerhalb eines Landes unterschiedlich zu bewerten. Das Auswärtige Amt rät daher dringend, immer auch die landesspezifischen Sicherheitshinweise zu beachten.


Landesspezifische Sicherheitshinweise

Der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auf den sudanesischen Staatspräsidenten ausgestellte internationale Haftbefehl hat im Sudan bisher nicht zu einer Verschlechterung der allgemeinen Sicherheitslage geführt. Es wird jedoch empfohlen, die weitere Entwicklung ständig zu beobachten.

Es wird dringend abgeraten von Reisen in die Region Darfur sowie in das nördliche Grenzgebiet nach Ägypten, Libyen und Tschad. Von nicht notwendigen Reisen in das Grenzgebiet zu Eritrea (Kassala), nach Südkordofan, in Gebiete südwestlich von Dschuba (Westäquatoria) sowie in die Regionen White Nile, Sennar und Abyei wird ebenfalls abgeraten.

In Nordsudan bleibt die Lage nach dem Rebellenangriff auf Omdurman (Nachbarstadt von Khartum) im Mai 2008 und nach dem Erlass des Haftbefehls gegen Staatspräsidenten Baschir durch den Internationalen Strafgerichtshof am 04.03.2009 gespannt. Es wird empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen zu meiden, engen Kontakt zur Botschaft zu halten und deren Rat zu befolgen.

In mehreren Regionen des Langes bestehen gewaltsame Konflikte. Nach jahrzehntelangen Kämpfen in Südsudan ist die Lage dort seit dem Friedensabkommen 2005 vergleichsweise stabil, aber unvorhersehbar. Dagegen sind Darfur, Südkordofan und die Region Kassala an der Grenze zu Eritrea weiter Krisengebiete. In Südsudan kam es in diesem Jahr zu vereinzelten Übergriffen durch Kräfte der ugandischen Lord's Resistance Army.  

Terrorismus

Es besteht eine erhöhte Terrorismusgefahr in Sudan. Terroristische Gruppieren haben zum „Dschihad" in Sudan aufgerufen und speziell westliche Einrichtungen als Ziele genannt.

Sudanesische Behörden verhafteten im August 2007 und Januar 2008 Mitglieder einer Gruppe, die mit Planungen für Anschläge auf die Botschaften Großbritanniens und der USA in Khartum befasst gewesen sein soll.

In der Neujahrsnacht 2007/2008 wurden in Khartum ein Diplomat der US-Botschaft und sein Fahrer in ihrem Fahrzeug erschossen; ein terroristisches Motiv ist nicht auszuschließen.

Die Liegenschaften der in Khartum ansässigen Institutionen der Vereinten Nationen sind ebenso wie diplomatische Vertretungen stark gesichert. Es liegen keine konkreten Hinweise für eine terroristische Gefährdung Deutscher oder deutscher Einrichtungen in Sudan vor, jedoch lässt sich eine solche Gefährdung nicht völlig ausschließen.

Reisen über Land

Die Infrastruktur in Sudan ist schlecht ausgebildet und in vielerlei Hinsicht unzureichend. Versorgungsmängel (u. a. Treibstoffknappheit) sind weit verbreitet. Daher ist eine sorgfältige Planung von Reisen sehr wichtig. So sind Reisen außerhalb des Großraums der Hauptstadt Khartum wegen mangelnder Infrastruktur und aufgrund von Sicherheitsgefährdungen oft nur eingeschränkt möglich.  

Die Unfallgefahr bei Fahrten über Land darf wegen der schlechten Straßen, fehlender Markierungen und der nicht selten unorthodoxen Fahrweise der Sudanesen nicht unterschätzt werden. Nachtfahrten sollten daher ganz vermieden werden. Mit Bandenüberfällen, aber auch mit willkürlichen Maßnahmen der Polizei oder anderer Sicherheitsorgane, muss gerechnet werden.  

Aufgrund der Nachwirkungen des Bürgerkriegs in Südsudan, der Stammeskonflikte und der nach wie vor angespannten Situation an manchen Teilen der südlichen und östlichen Grenzen sowie v. a. aufgrund des Darfur-Konflikts ist eine Durchquerung des Landes weder in Nord-Süd- noch in Ost-West-Richtung gefahrlos möglich. 

Nordsudan

Im September 2008 wurde im Südwesten Ägyptens eine touristische Reisegruppe entführt, der auch fünf Deutsche angehörten. Die Reisegruppe wurde von einer schwer bewaffneten, kriminellen Bande im Grenzgebiet von Ägypten, Sudan, Libyen und Tschad festgehalten. Ein vorhandener polizeilicher Schutz der Reisegruppe war wirkungslos. Weitere Vorfälle dieser Art können nicht ausgeschlossen werden. Von Reisen in diese entlegene Wüstenregion wird daher dringend abgeraten. 

Reisen auf dem Landweg nach Ägypten sind wieder möglich, jedoch ausschließlich über einen einzigen Grenzübergang bei Wadi Halfa auf dem Wasserweg über den Assuan-Stausee. Ausländer benötigen Reisegenehmigungen mit Angabe von Reiseziel und Reisedauer, die in Khartum erhältlich sind. In den Provinzstädten werden Reisegenehmigungen bei den Büros der Polizei/Sicherheitsbehörden ausgestellt, wenn man über den Landweg einreist. Vor dem Versuch des illegalen Grenzübertritts (auch in die anderen angrenzenden Länder) wird wegen des Risikos nicht oder unzureichend gekennzeichneter Minenfelder ausdrücklich gewarnt. Außerdem setzt man sich der Gefahr einer längerfristigen Inhaftierung aus. 

Westsudan und Region Darfur

In der Region Darfur im Westen von Sudan droht wegen militärischer Auseinandersetzungen und Banditenunwesen Lebensgefahr. 

In den Darfurprovinzen kommt es weiter zu Überfällen auf Transporte von Hilfsorganisationen, auch bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Rebellengruppen sowie Brandschatzungen von Reitermilizen unter der Bevölkerung halten an.  

Am 26. August 2008 wurde ein Flugzeug der sudanesischen Gesellschaft Sun Air auf dem Weg von Nyala (Süddarfur) nach Khartum entführt und nach Libyen umgeleitet. Alle 95 Passagiere wurden unverletzt freigelassen. 

Reisen nach Darfur bedürfen in jedem Fall der vorherigen Genehmigung der sudanesischen Regierung. Mitarbeitern in Darfur tätiger Hilfsorganisationen wird dringend geraten, engste Abstimmung mit den Hilfskoordinatoren der VN (OCHA, Office for the Co-ordination of Humanitarian Affairs) und der sudanesischen Regierung (HAC, Humanitarian Affairs Commission) zu suchen und die deutsche Botschaft Khartum über den Aufenthalt im Land zu informieren. Bei Dienst- oder journalistischen Reisen nach Darfur ist engste Koordinierung mit der deutschen Botschaft in Khartum und der VN-Friedensmission UNMIS (United Nations Mission in Sudan) und deren Sicherheitsdienst UNDSS (United Nations Department for Safety and Security) angeraten. 

Die Grenze Sudan - Tschad ist zurzeit geschlossen. Änderungen sind jederzeit möglich. 

Südsudan

Reisen nach Südsudan, die von Khartum aus angetreten werden, müssen von der zuständigen Stelle des sudanesischen Innenministeriums in Burri (in der Nähe der US-Botschaft) genehmigt werden.  

In der Stadt Abyei in der gleichnamigen Grenzregion zwischen Nord- und Südsudan brachen am 14.05.2008 Kämpfe zwischen Armee-Einheiten aus Nord- und Südsudan aus, die erst nach mehreren Tagen zur Ruhe kamen und zur weitgehenden Zerstörung der Stadt und der Flucht der Zivilbevölkerung führten. In der Zwischenzeit ist die Mehrzahl der Flüchtlinge zurückgekehrt.

Das Konfliktpotenzial bleibt jedoch hoch wegen des zwischen der sudanesischen Zentralregierung und der Regierung des Südsudan umstrittenen Grenzverlaufs und einer hohen Präsenz von Truppen aus dem Nord- und Südsudan. Von nicht notwendigen Reisen in die Region Abyei wird daher abgeraten. 

In Südsudan bestehen außerhalb der größeren Städte vielerorts Gefahren durch gewaltsam ausgetragene Stammeskonflikte und Landminen. In den vergangenenen Monaten kam es - insbesondere im Grenzgebiet zu Uganda und Demokratischer Republik Kongo - zu Übergriffen durch marodierende Bewaffnete der ugandischen Lord's Resistance Army.

Seit April 2008 war es in Dschuba, der Hauptstadt der quasiautonomen Region Südsudan, zu einer Reihe bewaffneter Raubüberfälle gekommen, u. a. auf Unterkünfte von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen und das Büro von ECHO (Europäisches Amt für humanitäre Hilfe). Mittlerweile haben südsudanesische Regierung und UNMIS reagiert und führen nachts verstärkt Patrouillen durch. Weitere Überfälle können allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Bei Überlandfahrten in Südsudan wird empfohlen, sich zuvor mit UNDSS in Verbindung zu setzen und deren Empfehlungen hinsichtlich polizeilicher oder militärischer Eskortierung zu befolgen. In weiten Teilen können gewaltsam ausgetragene Stammes- und andere Konflikte Reisende, die sich nicht an die UNDSS-Vorgaben halten, in Gefahr bringen. 

Ostsudan

Auch nach dem Friedensschluss zwischen der ostsudanesischen „Eastern Front" und der Regierung in Khartum sind in der Region viele Sicherheitskräfte präsent. Von nicht notwendigen Reisen in das Grenzgebiet zu Eritrea (Kassala) wird abgeraten. Geschäftsreisenden wird empfohlen, die Reiseplanung eng mit dem sudanesischen Geschäftspartner abzustimmen und die deutsche Botschaft zu informieren. Die Grenze Sudan - Äthiopien (El Gedaref) ist offen. Die Grenze Sudan - Eritrea ist zurzeit geschlossen. Änderungen sind jederzeit möglich. 
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