Judaismus - Anhang
Die Geschichte des Judentums lässt sich über mehr als 5000 Jahre zurückverfolgen und ist in der Bibel dargelegt. In einem dramatischen Akt schloss Abraham im Alter von 99 Jahren einen Bund mit Gott und wurde Jude, nachdem er sich selbst beschnitten hatte – Abraham war wegen seiner Rechtschaffenheit von Gott als erster Jude auserwählt worden, und mit ihm begann die jüdische Religion mit ihren vielen Gebräuchen, Traditionen und Gesetzen. Jahre später kam Moses, der von Gott dazu ausersehen wurde, seine Gebote zu empfangen. Während man allgemein die Zehn Gebote kennt, empfing Moses insgesamt 613 Gebote von Gott auf dem Berg Sinai. Diese Gebote bilden heute die Grundlage des jüdischen Glaubens.
Juden glauben, dass es nur einen einzigen Gott gibt, und dass die Bibel, im Hebräischen Tanakh genannt, ausschließlich aus dem Alten Testament besteht. Davon sind die ersten fünf Bücher – bekannt als die ersten Fünf Bücher Mose oder die Thora – die wichtigsten.
Heute gibt es ungefähr 12 Mio. Juden auf der Welt. Zu den Ländern mit großen jüdischen Bevölkerungsgruppen gehören neben Israel die USA, Kanada, Belgien, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Südafrika, Argentinien, Brasilien und Australien.
Alle Juden lassen sich je nach ihrer familiären Abstammung in zwei Gruppen einteilen: Aschkenasim-Juden stammen aus Mittel- und Osteuropa, während die Sephardim-Juden aus Spanien, Portugal, dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten kommen. Es gibt jedoch viele verschiedene Strömungen innerhalb des Judentums, welche die traditionellen Gesetze und Gebräuche unterschiedlich auslegen oder abwandeln. Die Hauptströmungen sind im Folgenden aufgeführt.
Orthodoxe: Das orthodoxe Judentum ist eine der jüdischen Hauptströmungen weltweit. Orthodoxe Juden betrachten die Thora und den Talmud (die jüdischen Gesetze) als unmittelbar gottgegeben, weshalb diese höchste Autorität besitzen. Innerhalb der orthodoxen Gruppe gibt es verschiedene Lager: Die Ultra-Orthodoxen, die ihre Religion sehr streng befolgen und sich soweit wie möglich aus der modernen Welt zurückziehen. Einige lehnen selbst das Fernsehen und Zeitungen wegen ihres negativen Einflusses als unvereinbar mit ihren hohen moralischen Ansprüchen ab. Manche leben selbst von anderen Juden abgeschottet in separaten Gemeinden und befolgen ihre eigenen Sitten und Gebräuche, was meist auch eine spezielle Kleiderordnung mit einschließt.
Moderne orthodoxe Juden nehmen normalerweise am sozialen Leben teil, besuchen beispielsweise Sportveranstaltungen oder sehen fern, vorausgesetzt, diese Aktivitäten stehen nicht im Widerspruch zu den jüdischen Gesetzen oder beeinträchtigen ihr religiöses Leben. Sie heiligen den Sabbat, feiern religiöse Feste und befolgen verschiedene Fasten-, Reinheits- und Speisengesetze (Kashrut). Die Grundprinzipien des orthodoxen Judentums sind seit biblischen Zeiten unverändert.
Reformierte: Diese Strömung entstand in Deutschland während des 19. Jahrhunderts. Nachdem die Juden bürgerliche Freiheiten erhielten, nicht mehr in Ghettos leben mussten und sich allmählich mehr in die Gesellschaft integrierten, vertraten einige von ihnen die Meinung, dass die jüdische Religion Anhänger verlieren würde, wenn sie nicht mit der Zeit ginge und sich den geänderten Gegebenheiten anpasse. Mitglieder der Reformströmung vertreten dem Judentum gegenüber modernere Ansichten, versuchen jedoch gleichzeitig, die traditionellen Gesetze und Moralvorstellungen beizubehalten. Im Gegensatz zu den Orthodoxen erlauben sie die Weihung von Frauen zu Rabbis, die gemischte Sitzordnung von Frauen und Männern in der Synagoge und die Feuerbestattung nach dem Tod.
Liberale: Wie die Reformierten vertreten die Liberalen eine modernere Glaubensauffassung. Liberale Juden glauben, dass die Thora eine von Gott inspirierte Interpretation seiner Worte ist. Sie befolgen den Glauben nicht auf dieselbe Weise wie die orthodoxen Juden, so tragen die Orthodoxen gewöhnlich eine Kopfbedeckung, eine Kippah oder Jarmulke, um ihre Gottesfürchtigkeit zu demonstrieren; liberale Juden halten dies nicht für notwendig. Sie sind meist auch nicht so streng bei der Beachtung von Speisengesetzen – viele essen beispielsweise auch Schweinefleisch. Allgemein messen die Liberalen Speisegesetzen und anderen jüdischen Ritualen, die von den Orthodoxen praktiziert werden, keine so große Bedeutung bei. Es gibt jedoch auch liberale Juden, welche die Gesetze des Kashrut befolgen – bei dieser Strömung wird jedem freigestellt, seine persönliche Entscheidung zu treffen.
Der jüdische Sabbat (Shabbat) ist der heiligste Tag der Woche und ein Ruhe- und Feiertag zur Erinnerung an das Ruhen Gottes am siebten Tag der Schöpfungswoche. Der Sabbat beginnt nach Eintritt der Dunkelheit am Freitagabend und endet mit Sonnenuntergang am Samstagabend. Während dieser Zeit müssen Juden jegliche Art der Arbeit ruhen lassen, welche die Welt in ihrer Gestalt zu Sabbatbeginn verändern könnte.
In die heutige Welt übertragen bedeutet dies, dass orthodoxe Juden während des Sabbat nicht kochen, autofahren, fernsehen oder andere elektrische Geräte benutzen, kein Licht an- oder ausschalten, kein Geld antasten und nichts aus ihrem Haus heraustragen, selbst in ihren Taschen (sehr religiöse Juden befestigen daher ihre Hausschlüssel an einem ihrer Kleidungsstücke). Jüdische Geschäfte und Unternehmen sind ebenfalls am Sabbat geschlossen. Juden feiern den Beginn des Sabbat traditionell mit einem Besuch des Gottesdienstes in der Synagoge, dem Anzünden von Kerzen, dem Kiddush (dem traditionellen Freitagabendsegen bei Wein und Challah-Brot), mit besonderen Segnungen der Kinder im Haus und einem Festmahl.
Nach einem weiteren Gottesdienstbesuch in der Synagoge am Samstagmorgen, in dem ein Abschnitt der Thora vorgelesen wird (auch bekannt als 'Lesung des Gesetzes”) und sieben männliche Gemeindemitglieder zu der Lesung aufgerufen und gesegnet werden, sind die förmlichen religiösen Handlungen beendet und der Rest des Tages wird traditionellerweise mit Ausruhen im Kreise der Familie verbracht. Bei Sonnenuntergang am Samstagabend wird der Sabbat mit einer Zeremonie namens Havdalah beendet, die während des Abendgottesdienstes in der Synagoge oder auch zu Hause zelebriert wird – dazu gehört das Aussprechen von Segnungen über Wein und einer besonders geflochtenen Kerze mit einem doppelten Docht. Die Zeremonie wird mit dem Löschen der Kerze in einer Schale Wein beendet. Danach ist die Ruhezeit beendet und man kann wieder allen Tätigkeiten unbeschränkt nachgehen.
Der jüdische Kalender ist angefüllt mit Festen und speziellen Feiertagen, die entweder an ein wichtiges Ereignis in der jüdischen Geschichte erinnern oder eine bestimmte Jahreszeit feiern (wie z.B. das Jüdische Neujahr). Festtage heißen Yom Tovim und viele davon sind Ruhetage, an denen die Juden nicht arbeiten – im Gegensatz zum Sabbat ist Kochen (für den bevorstehenden Tag) und das Hinaustragen von Gegenständen aus dem Haus jedoch gestattet. Wenn nicht anders angegeben, folgen alle im Folgenden aufgelisteten Feste diesen Regeln. Die wichtigsten Feste sind:
Purim: Dieses eintägige Fest findet vier Wochen vor dem Passah-Fest, gewöhnlich im Februar oder Anfang März, statt. Es erinnert an die Geschichte von Esther, einer Königin, die den Komplott eines ihrer Berater, Haman, alle Juden zu töten, vereitelte. Die Geschichte wird in der Synagoge aus einem Buch namens Megillah verlesen. Außerdem finden an diesem Tag viele Feste und Feiern statt, bei denen man sich traditionellerweise kostümiert. Ein dreieckiges Gebäck, die so genannten Hamentaschen (deren Form angeblich Hamans Hut darstellen soll), mit einer Füllung aus Mohnsamen, Marmelade oder Obst, wird gereicht. Arbeiten und Freizeitaktivitäten sind an Purim gestattet.
Pesach (Passah): Dieses Fest findet im März/April statt und erinnert an den Auszug der Israeliten unter der Führung von Moses aus der Sklaverei in Ägypten. Das Fest dauert acht Tage und während dieses Zeitraums dürfen keine durch Fermentierung erzeugte Lebensmittel (Lebensmittel, die Weizen oder anderes Getreide enthalten, einschließlich Brot, Getreideflocken, Bier oder Whisky) verzehrt werden. Juden aus dem Nahen Osten essen zwar Reis und Hülsenfrüchte, was die europäischen Juden allerdings ablehnen. Der Grund dafür ist die Erinnerung an den überstürzten Auszug aus Ägypten, als die Israeliten nicht genügend Zeit hatten, Lebensmittel auf die gewohnte Weise zuzubereiten – ihr Brotteig konnte nicht gären und aufgehen, weshalb sie 'ungesäuertes“ Brot essen mussten. Als Bestandteil des Festmahls zu Passah ist daher der Verzehr von Mazza (Matzen) vorgeschrieben – Brotfladen aus ungesäuertem Teig.
An den ersten beiden Abenden des Festes wird ein Gottesdienst namens Seder (Ordnung) im Haus abgehalten, wobei die Geschichte des Passah-Festes und des jüdischen Auszugs aus Ägypten erzählt wird, wie sie in einem Buch namens Haggada (Erzähltes) dargelegt ist. Es ist Sitte für die Anwesenden, sich nach links zu neigen, um symbolisch zu zeigen, dass sie von Fesseln der von den ägyptischen Pharaonen auferlegten Sklaverei befreit sind und nun so sitzen können, wie es ihnen gefällt. Während des Gottesdienstes werden außerdem vier Gläser Wein getrunken und ein Festmahl wird serviert.
Danach folgt ein Zeitraum von vier Tagen, in dem Arbeit und andere normale Tätigkeiten wiederaufgenommen werden. Gesäuerte Lebensmittel sind jedoch weiterhin verboten. Die letzten beiden Tage des Festes sind wie die ersten beiden Yom Tovim (Feiertage). Das Passahfest endet mit Sonnenuntergang am achten Tag. Das Passahfest erfordert zahlreiche Vorbereitungen, da den Juden nicht nur der Verzehr, sondern auch der Besitz gesäuerter Lebensmittel (Chametz) verboten ist und sie daher ihre Häuser vor Beginn des Festes von Chametz reinigen müssen. Heutzutage beauftragen Juden ihren Rabbi mit dem Verkauf ihres Chametz für einen symbolischen Betrag an einen Nicht-Juden, was nach dem Fest wieder eingelöst werden kann. Es ist außerdem üblich, während des Passahfestes Geschirr, Besteck und andere Kochutensilien zu verwenden, die nicht in Berührung mit Chametz gekommen sind.
Schawuot (Wochenfest, Pfingsten): Schawuot findet sieben Wochen nach dem Passah-Fest statt (gewöhnlich Ende Mai/Anfang Juni) und erinnert an Moses' Empfang der Zehn Gebote auf dem Berg Sinai nach dem Auszug aus Ägypten. Das Fest dauert zwei Tage und erfordert nur relativ wenige Vorbereitungen. Es ist üblich, Milchprodukte zu essen, wie damals die Juden, die in Erwartung der göttlichen Gebote nicht wussten, welche Speisegesetze sie künftig befolgen sollten und daher nur Milchprodukte und Gemüse aßen, um den Verzehr von möglicherweise unerlaubtem Tierfleisch zu vermeiden. Die Synagoge wird während des Festes zur Feier der göttlichen Gesetze mit Blumen geschmückt. Manche ultra-orthodoxe Juden bleiben die ganze erste Nacht wach, um die Bibel zu studieren.
Rosch ha-Schanah (Jüdisches Neujahr): Das Jüdische Neujahrsfest findet im September/Oktober statt und ist einer der bedeutendsten und heiligsten Feiertage im jüdischen Kalender. Es ist nicht nur ein Anlass für Feiern, sondern auch für Besinnung und Reue für die im vergangenen Jahr begangenen Sünden. In der Synagoge beten die Menschen um die Vergebung ihrer Missetaten und für ein glückliches neues Jahr. Während des Gottesdienstes wird ein Schofar oder Widderhorn geblasen, um die Gemeindemitglieder auf die Ernsthaftigkeit des Festes und die Tatsache hinzuweisen, dass Gott ihr Schicksal für das kommende Jahr bestimmt, und zehn Tage später, am Versöhnungstag, besiegelt. Dieser Zeitraum der Besinnung ist auch als 'Die Zehn Bußtage“ bekannt. Zu den heiteren Traditionen des Rosch ha-Schanah gehört das Essen von in Honig getauchten Äpfeln in der Hoffnung, dass dies ein süßes Jahr bringen wird.
Jom Kippur (Versöhnungstag): Die Zehn Bußtage enden mit Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag, an dem die Schicksale aller Juden für das kommende Jahr besiegelt werden. Dieser höchste Feiertag ist der besinnlichste und ernsthafteste Tag im jüdischen Kalender, der durch Gebete um die Vergebung der Sünden und die Selbstkasteiung als Strafe für im vergangenen Jahr begangene Missetaten geprägt wird. Von zentraler Bedeutung ist das Fasten (Verzicht auf jegliche Speisen und Getränke), das 25 Stunden vom Sonnenuntergang am vorhergehenden Abend bis zum Sonnenuntergang des folgenden Tages dauert. Während dieses Zeitraums ist es den Juden nicht gestattet, zu arbeiten, zu baden oder Lederschuhe zu tragen. Das Fasten beginnt mit einem besonderen Abendgottesdienst, dem Kol nidre (alle Gelübde), und die Gottesdienste in der Synagoge dauern den gesamten folgenden Tag bis zum Ende des Fastens. Obgleich es ein Tag der Besinnung ist, wird Jom Kippur von den Juden auch als glücklicher Tag angesehen, denn er erlaubt ihnen, sich von ihrer Schuld zu reinigen und ein geistiges Hochgefühl zu empfinden. Fasten wird nicht nur als Mittel zur Selbstkasteiung betrachtet, sondern ermöglicht es den Gläubigen an diesem Tag, sich ungestört auf ihre Gebete zu konzentrieren. Kinder unter dem Bar-Mizwa-Alter (13 Jahre), Schwangere und Diabetiker sowie alle, deren Gesundheitszustand durch die 25-stündige Abstinenz schwer wiegend beeinträchtigt würde, sind vom Fastengebot ausgenommen.
Sukkoth (Laubhüttenfest): Dieses Fest beginnt fünf Tage nach dem Ende von Jom Kippur und erinnert an die von den Israeliten auf der Flucht aus Ägypten in der Wüste errichteten Hütten. Während des achttägigen Festes sollen Juden in einer solchen Sukka (Unterkunft) genannten Hütte leben – mit Wänden aus Holz und einem Laubdach, durch das man die Sterne sehen kann. In Ländern wie Israel, deren Klima dies zulässt, schlafen viele Juden in der Sukka, in anderen Gegenden wird diese hauptsächlich zur Einnahme von Mahlzeiten verwendet.
In der Synagoge spricht jedes Gemeindemitglied einen Segen auf vier verschiedene Pflanzen – einen Zweig von Palme (Lulav), Zitrone (Esrog), Myrrhe und Weide, welche die vier verschiedenen jüdischen Personentypen symbolisieren. Die mittleren vier Tage des Festes sind normale Arbeitstage, der vierte davon, Hoschana Rabba (Rette uns), wird als letzte Gelegenheit betrachtet, die Seele von im vergangenen Jahr begangenen Sünden zu reinigen. Am achten Tag des Festes, genannt 'Der Achte Tag der Versammlung“ (Schemini Atzeret), wird während des Gottesdienstes in der Synagoge ein Regengebet gesprochen.
Simchat Thora (Freude über das Gesetz): Unmittelbar auf das Sukkoth-Fest folgt der Simchat Thora, der das Ende der Thora-Lesung in der Synagoge feiert – und die Tatsache, dass die Lesung nun wieder von Neuem beginnen kann. Es ist eines der heitersten Feste im jüdischen Kalender, das mit sieben Umzügen in der Synagoge gefeiert wird, unterbrochen von Tänzen und dem Singen traditioneller hebräischer Lieder. Kinder schwenken Flaggen und Thorarollen während der Umzüge und viele Synagogen veranstalten nach dem Gottesdienst ein Gemeindefest.
Chanukka (Weihe): Dies ist ein weiteres achttägiges Fest, das im Dezember stattfindet. Die Geschichte von Chanukka geht auf die Zeit der Unterdrückung des jüdischen Glaubens während der klassischen Antike zurück, als viele Juden wegen ihres Glaubens verfolgt oder getötet wurden. Schließlich versammelte eine Gruppe von Juden, die nach ihrem Anführer Judas Makkabäus Makkabäer genannt wurde, eine Armee und lehnte sich erfolgreich gegen die Griechen auf, ihr Tempel und ihre Lebensweise wurde jedoch so gut wie ausgelöscht. Diese Gruppe von Männern versuchte danach, den Tempel und den Glauben wiederaufzubauen. Um den wieder eingeweihten Tempel zu beleuchten, wurde ein besonderer siebenarmiger Leuchter (Menora) benötigt; es gab jedoch nur genug Öl, um den Leuchter einen einzigen Tag lang brennen zu lassen. Doch dann geschah ein Wunder und die Menora brannte ununterbrochen sieben Tage lang, bis neues Öl herbeigeschafft werden konnte, um das Licht am Brennen zu halten. Zu den Bräuchen des Chanukka-Festes gehören das täglich fortschreitende Anzünden der Lichter an der Menora im Haus, das Essen in Öl gebratener Speisen (Krapfen, Kartoffelpfannkuchen), das Überreichen von Geschenken, das Feiern von Festen, Spiele mit einer Dreidel, einem traditionellen Kreisel. Wie beim Purim-Fest ist es an Chanukka erlaubt, zu arbeiten und normalen Alltagsaktivitäten nachzugehen.
Orthodoxe Juden besuchen die Synagoge dreimal täglich zu Gottesdiensten am Morgen (Schacharit), Nachmittag (Mincha) und Abend (Maariv), obwohl die letzten beiden oft zusammengelegt werden. Sie besuchen diese Gottesdienste auch am Sabbat und an Feiertagen. Weniger orthodoxe Juden besuchen die Synagoge nicht so regelmäßig. Mindestens zehn Männer über dem Bar Mizwa-Alter (13 Jahre) sind erforderlich, um einen Gottesdienst abzuhalten – dies nennt man einen Minyan. Es bestehen Unterschiede bei den Synagogenregeln je nach der Zugehörigkeit des Einzelnen zu einer der oben beschriebenen Gruppen innerhalb des Judentums. In orthodoxen Synagogen gibt es eine Geschlechtertrennung bei der Sitzordnung – die Frauen sitzen häufig auf einer Empore oder in einem durch einen Vorhang abgetrennten Bereich. Männer tragen die traditionelle Kopfbedeckung (Kippah oder Jarmulke) – von verheirateten Frauen wird ebenfalls erwartet, ihre Häupter mit Hüten oder Schals zu bedecken und sich zurückhaltend zu kleiden. In Synagogen der Reformierten und Liberalen gibt es meist keine Geschlechtertrennung bei der Sitzordnung.
Die jüdischen Speisegesetze, die Kaschrut, legen fest, auf welche Art und Weise Tiere rituell geschlachtet und Speisen zubereitet werden sollen, sowie welche Lebensmittel verzehrt werden dürfen und welche nicht. Die Thora schreibt vor, dass nur diejenigen Tiere koscher sind, die wiederkäuen und Paarhufer sind, daher dürfen Juden Rindfleisch, Lamm und andere Produkte von der Kuh oder vom Schaf verzehren. Der Verzehr von Geflügel – einschließlich Huhn, Truthahn, Ente oder Gans – ist mit Ausnahme von Raubvögeln gestattet. Für den Verzehr erlaubte Tiere werden von einem speziell dafür ausgebildeten Metzger (Schochet) auf die schnellstmöglichste und sauberste Art geschlachtet. Juden ist es nicht gestattet, das Blut von Tieren zu verzehren, daher muss das Fleisch 'koscher“ gemacht werden, d.h. jegliches Blut muss entfernt werden, was normalerweise von dem Schlachter erledigt wird, der das Fleisch verkauft. Geflügel wird auf dieselbe Art und Weise geschlachtet. Fisch muss nicht besonders für den Verzehr behandelt werden, aber nur Fische mit Flossen und Schuppen werden als koscher erachtet – Schalentiere sind nicht erlaubt.
Juden ist es verboten, Milch zusammen mit Fleisch während derselben Mahlzeit zu sich zu nehmen; in der Bibel steht geschrieben: “Du sollst ein Kitz nicht in der Milch seiner Mutter sieden”. Viele Juden warten drei Stunden nach dem Verzehr von Fleisch oder Geflügel, bevor sie jegliche Milchprodukte zu sich nehmen, manche Ultra-Orthodoxe warten sogar sechs Stunden. Lebensmittel, die weder Fleisch noch Milchprodukte enthalten, bezeichnet man als parev. Andere tierische Erzeugnisse – wie Eier und Milchprodukte – sind alle erlaubt, vorausgesetzt sie kommen von koscheren Tieren, obwohl strenggläubigere Juden nur Milchprodukte aus überwachten, koscheren Molkereien zu sich nehmen. Wenn ein Ei einen Blutsfleck enthält, ist es nicht koscher und darf nicht verzehrt werden. Juden sollten auch bei tierischen Erzeugnissen in Konserven vorsichtig sein.
Auch beim Essengehen in Restaurants sollten Juden darauf achten, dass die koschere Speisenzubereitung in den Restaurants kontrolliert wird. Viele orthodoxe Juden essen nur in Restaurants, die von einer jüdischen Behörde geprüft wurden; weniger orthodoxe Juden besuchen auch unüberwachte Restaurants, wenn die angebotenen Speisen nicht im Widerspruch zu den grundlegenden jüdischen Speisengesetzen stehen.
Neben Festen und Sabbats wird das Leben eines gläubigen Juden durch weitere zentrale Rituale mit einer langen Tradition geprägt.
Brit-Mila (Beschneidung): Bei männlichen Säuglingen wird die Beschneidung am achten Tag nach der Geburt vorgenommen, gemäß dem zwischen Gott und Abraham in der Bibel geschlossenen Bund. Dies wird von einem Fachmann mit medizinischer Ausbildung, einem Mohel, durchgeführt und ist oft mit einer Feier verbunden. Der Säugling erhält bei dieser Zeremonie außerdem seinen hebräischen Namen. Wenn das Kind eine Frühgeburt ist oder sein Gesundheitszustand es nicht zulässt, kann die Brit-Mila auch zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen werden.
Bar-Mizwa: Ein jüdischer Knabe wird offiziell an seinem 13. Geburtstag zum Mann erklärt – in anderen Worten ist er nun alt genug, um Teil einer Minyan in der Synagoge zu bilden und zur Lesung des Gesetzes am Sabbat und an Festtagen aufgerufen zu werden. Dies ist ein wichtiges Ereignis in vielen Familien – in der Synagoge wird der Knabe an dem Sabbat, der am nächsten zu seinem 13. Geburtstag liegt, erstmals zur Thora gerufen. Nach der Zeremonie wird die Bar-Mizwa mit einem großen Familienfest gefeiert.
Bat-Mizwa: Das weibliche Gegenstück zur Bar-Mizwa. In der Regel werden Mädchen nicht zur Lesung des Gesetzes in der Synagoge aufgerufen (obgleich dies in liberalen und reformierten jüdischen Gemeinden möglich ist), sondern nehmen an einer besonderen Zeremonie in der Synagoge teil, in der ihre Reife vom Mädchen zur Frau gewürdigt wird. Dies wird ebenso mit Familienfesten gefeiert, die jedoch meist weniger aufwändig sind als die Bar-Mizwa-Feiern der Knaben. Die Bat-Mizwa findet gewöhnlich statt, wenn das Mädchen etwa 12 Jahre alt ist.
Eheschließung: Juden werden unter einem Chupa genannten Baldachin getraut und zu der traditionellen jüdischen Hochzeitszeremonie gehören Bräuche wie das Herumgehen der Braut um den Bräutigam im Kreis und das Zertreten von Glas durch den Bräutigam zur traurigen Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem auch in diesem glücklichen Augenblick.
Tod: Verstorbene werden schnell begraben, gewöhnlich einen Tag nach ihrem Tod. Wenn ein naher Verwandter stirbt (Vater, Mutter, Kind, Bruder oder Schwester), beginnt für die Hinterbliebenen eine siebentägige Trauerzeit (Schiwa), während der sie das Haus nicht verlassen dürfen (außer zum Besuch der Synagoge), nicht arbeiten dürfen und auf niedrigen Stühlen sitzen müssen, um Besucher zu empfangen. Spiegel müssen verhüllt werden. Als Zeichen ihrer Trauer tragen Juden während dieser Zeit außerdem ein zerrissenes Kleidungsstück.
Nach Ende der ersten Trauerwoche beginnt eine längere Trauerzeit, die beim Tod eines Geschwisters 30 Tage dauert, beim Tod eines Elternteils, Kindes oder Ehepartners 12 Monate. Während dieser Zeit dürfen Juden keine Feste oder Feiern besuchen; Männer dürfen sich mindestens 30 Tage nicht rasieren, viele rasieren sich jedoch ein ganzes Jahr nicht. Nach einem Jahr endet die offizielle Trauerperiode, doch zur Erinnerung an den Verstorbenen wird jedes Jahr an seinem Todestag eine Gedächtnis-Kerze, die so genannte Jahrzeit-Kerze, angezündet.
Es folgt eine Liste der gebräuchlichsten jüdischen Begriffe und Redewendungen:
Shalom – Hallo, auf Wiedersehen, Frieden
Mazel 'Tov – Glückwünsche, gut gemacht
Mizwa – gute Tat
Tzedakah – Wohltat
Chuzpe – Dreistigkeit, Unverfrorenheit
Nachos – Freude (oft bei der Gratulation zur Geburt eines Kindes gebraucht, “mögest Du viel nachos von ihm/ihr erfahren”)
Koscher – einwandfrei, für den Verzehr erlaubt
Shabbat Shalom – traditioneller Sabbat-Gruß
H'ag Samaech – traditioneller Festtagsgruß
Das Jahr 2006 des westlichen, gregorianischen Kalenders fällt mit dem jüdischen Jahr 5766 zusammen. 2007 ist im jüdischen Kalender 5767 usw.
Die folgende Liste führt die Monate des jüdischen Kalenders mit ihren westlichen Entsprechungen zusammen mit den wichtigen Festen auf. Die Monate werden traditionellerweise in dieser Reihenfolge aufgelistet, obwohl sie weder nach dem jüdischen noch westlichen Kalender mit Neujahr beginnen.
Nissan (Pesach – März/April)
Iyar (April/Mai)
Sivan (Schawuot – Mai/Juni)
Tamuz (Juni/Juli)
Av (Juli/August)
Elul (August/September)
Tishri (Rosch ha-Schanah/Jom Kippur/Sukkoth/Simchat Thora – September/Oktober)
Cheshvan (Oktober/November)
Kislev (Chanukka – November/Dezember)
Tevet (Dezember/Januar)
Shevat (Januar/Februar)
Adar (Februar/März)
In Schaltjahren wird ein zusätzlicher Monat namens Adar Sheni eingefügt.







