Islam - Anhang

Der islamische Prophet Mohammed wurde im Jahre 570 n. Chr. geboren. Sein Vater, ein Qureischi aus Mekka, starb vor seiner Geburt und seine Mutter, als er sechs Jahre alt war. Das Kind wuchs bei seinem Großvater auf, der ihm dabei half, sich im Alter von 25 Jahren in Mekka als Händler zu etablieren. 612 begann er mit der Verkündung seiner Lehren, nachdem er sich durch Visionen zum Propheten berufen fühlte. Trotz anfänglicher Erfolge zwangen ihn die Bürger der Stadt im Jahre 622, nach Medina umzusiedeln. Während der nächsten zehn Jahre beschäftigte er sich mit dem Aufbau einer Gemeinschaft, die sich einzig auf den Willen Gottes stützt. Weitere Konflikte folgten, insbesondere mit den Bürgern Mekkas. Als er 632 starb, waren jedoch viele arabische Stämme bereits unterworfen und bekehrt.

Es folgte eines der erstaunlichsten Phänomene der Religionsgeschichte. Innerhalb eines Jahres nach Mohammeds Tod war der Glaube bis in den Irak vorgedrungen, und zu Beginn des folgenden Jahrhunderts reichte sein Einflussbereich vom Indus bis zu den Pyrenäen. Hinsichtlich dieser unerwarteten Ausbreitung muss Karl Martels Sieg bei Tours (732) als eines der entscheidendsten militärischen Ereignisse der Weltgeschichte betrachtet werden. Fast alle der damals eroberten Länder sind auch heute noch ausschließlich islamisch oder haben eine große islamische Gemeinde. Die Geschichte des Islam und der Einfluss, den diese Religion auf das christliche Europa ausübte, ist äußerst interessant.

Viele Jahrhunderte lang existierten beide Religionen nebeneinander, und in Spanien, Portugal und auf Sizilien kann man heute noch Zeugnisse beider Kulturen bewundern. Häufig wird die Überlegenheit der islamischen Welt zur Zeit des Mittelalters übersehen, insbesondere im Bereich der Philosophie, der Medizin, der Wissenschaft, der Geographie, der Poesie und der Musik.
Zahlreiche klassische Werke sind nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im Mittelalter ins Arabische übersetzt wurden, bevor sie im 12. Jahrhundert wieder im christlichen Europa auftauchten. Die wiederentdeckten Werke Aristoteles spielten eine grundlegende Rolle in der Entwicklung der westlichen Philosophie. Während der Kreuzzüge (1100-1290 n. Chr.) trafen christliche Heere und 'heidnische“ Muslime aufeinander, allerdings zeichneten sich letztere durch größere Toleranz und Menschlichkeit aus.

Eine objektive Auseinandersetzung mit dem Islam ist in den letzten Jahren durch politische Implikationen oft erschwert worden. Nachfolgend werden die wichtigsten Grundsätze des Islam beschrieben. Jedem Reisenden, der ein islamisches Land besucht, wird dringend empfohlen, sich zumindest ansatzweise mit der Geschichte, der Kultur und den Gesetzen dieses einflussreichen Glaubens vertraut zu machen. Es gibt eine Reihe guter Bücher, die dieses Thema wesentlich ausführlicher behandeln, als es hier möglich ist.

Der Islam, die jüngste Weltreligion, beruht darauf, sich dem 'Willen Gottes (Allah) zu unterwerfen“. Lehren für Seele, Körper und Geist, aber auch Gesetze für die Bereiche Bildung, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Strafrecht sowie Umgangsformen und alle moralischen Aspekte des täglichen Lebens für Einzelpersonen, Familien, Regierungen und für alle Gesellschaftsschichten weltweit sind in dieser Religion verankert. Der Koran, die Sunna und die Hadith sind die wichtigsten Quellen der islamischen Lehre und der Gesetze, die als Grundlage des Rechts dienen. Der Koran (Quran), das heilige Buch des Islam, enthält die Niederschrift des durch den Propheten Mohammed offenbarten Willen Allahs (Gottes) in insgesamt 114 Kapiteln (Suren) in arabischer Sprache. Die Sunna (arab. 'Weg“), eine Ergänzung zum Koran, beschreibt die Lebensweise des Propheten Mohammed, während die Hadith seine Äußerungen zu Lebzeiten wiedergibt.

Der Prophet Mohammed empfing die Worte Allahs mit den Grundlagen der Religion (dem Koran) im 7. Jahrhundert n. Chr. während seines Aufenthalts in Mekka – heute die bedeutendste und heiligste Stadt der Welt des Islam – und in Medina. Medina, die zweitbedeutendste Stadt, liegt ca. 300 km nördlich von Mekka, ebenfalls in Saudi-Arabien. Hierher flüchteten Mohammed und seine Anhänger 622, nachdem die Verkündung seines monotheistischen Glaubens in Mekka auf Feindseligkeit gestoßen war. Die Stadt wurde zur ersten Hochburg des islamischen Glaubens. Die Flucht von Mekka nach Medina (Hijra) markiert den Beginn des mohammedanischen Kalenders und damit den Anfang des islamischen Neujahrs. 630 unterwarf Mohammed seine Heimatstadt Mekka und zog dorthin zurück. Nach Mohammeds Tod im Jahre 632 ging die Macht zeitweise in die Hände verschiedener Kalifen über, und es bildeten sich mehrere Gruppierungen innerhalb der Hauptreligion.

Die beiden Glaubensrichtungen mit der größten Anhängerzahl bestehen heute aus den Sunniten in Indonesien, Indien, Malaysia, Pakistan, Bangladesch, Syrien, Jemen, Teilen des Libanon, Ägypten, Nordafrika, Teilen von Westafrika, Saudi-Arabien, den Golf-Staaten und in großen Teilen der Türkei und aus den Schiiten im südlichen Irak, im südlichen Libanon und im Iran.

Der Islam setzt sich aus fünf religiösen Grundelementen zusammen, allgemein als die Fünf Säulen des Islam bekannt:

Schahada ist das Glaubensbekenntnis: 'Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet“.

Salaat: Fünfmal am Tag, bei Sonnenaufgang, zur Mittagszeit, am Nachmittag (Asr), bei Sonnenuntergang und vor dem Schlafengehen, wird gebetet. Der Zeitpunkt wird vom Muezzin vom Minarett der Moschee verkündet, was in einigen Ländern zum völligen Stillstand aller Tätigkeiten führt. Der Gläubige wendet sich in Richtung Mekka und betet ein vorgeschriebenes Gebet. Aus praktischen Gründen suchen nicht alle Muslime die Moschee zum Gebet auf, zahlreiche Ladenbesitzer und Geschäftsleute rollen im Geschäft oder Büro ihren Gebetsteppich aus. Das Hauptgebet am Freitag wird von der Kanzel der Moschee aus vorgebetet; die Predigt ist ebenfalls wichtiger Bestandteil des am Freitag stattfindenden Gottesdienstes. In zahlreichen Ländern entspricht der Freitag dem christlichen Sonntag, und Banken und Geschäfte haben den ganzen Tag geschlossen.

Zakat ist ein Almosen, eine vorgeschriebene Form der Spende - eine Art Vermögenssteuer, die Witwen, Waisen und Armen einer Gemeinde zugute kommt. Die religiöse Pflicht des Gläubigen gebietet, besonders während des Ramadan, ca. 10% seines Vermögens als Almosen an Bedürftige zu geben.

Ramadan: Alle Muslime müssen während des Heiligen Monats Ramadan fasten. Der Ramadan verschiebt sich jährlich um ca. 11 Tage, da er nach dem Mondjahr berechnet wird. Zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang sind allen Gläubigen Essen und Trinken, Geschlechtsverkehr und Rauchen verboten. Andersgläubige sollten dies respektieren und, wenn irgend möglich, in Gegenwart eines Muslimen nicht selbst dagegen verstoßen, da dies als eine Beleidigung des Glaubens aufgefasst wird und in strenggläubigen Ländern ernsthafte Folgen nach sich ziehen kann. Ganz besonders, wenn der Ramadan in die Sommermonate fällt, stellt die Abstinenz hohe Ansprüche an die Willenskraft. Geschäfte und Restaurants öffnen häufig früher als üblich und schließen am Nachmittag, in kleineren Ortschaften oftmals ganztags, dafür sind manche Geschäfte während der Nacht geöffnet. Nach Einbruch der Dämmerung wird das Fasten mit ausgedehnten Festessen unterbrochen.
Ursprünglich wurde mit diesem Fest die erste Offenbarung des Korans gefeiert, später begingen Mohammeds Anhänger dieses Fest als Erinnerung an einen bedeutenden Sieg über Gegner des Glaubens in Mekka. Am Ende des Ramadan feiert man das Fest Eid al-Fitr, das in zahlreichen islamischen Ländern gesetzlicher Feiertag ist. Dieses Fest kann sich über mehrere Tage erstrecken.

Der Hadsch ist die Wallfahrt nach Mekka. Jeder gläubige Muslim, der gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage ist, sollte diese Pilgerfahrt einmal im Leben unternehmen. Während der Wallfahrtszeit am siebten und achten Tag des Monats Dhu-al-Hijja tragen alle Gläubigen (männlich Hadschi, weiblich Hadscha) beim Betreten des Heiligen Viertels von Mekka ein weißes nahtloses Gewand (Ihram). Hier umrundet der Pilger siebenmal die Kaaba (schwarzer Stein im Hof der Heiligen Moschee) und beschreitet siebenmal die Strecke zwischen den Hügeln Safa und Marwah in der Nähe von Mekka. Dieses Ritual ist Haggar gewidmet, die bereits im Alten Testament erwähnt wurde und siebenmal zwischen Safa und Marwah hin- und herlief, auf der Suche nach einer Quelle für ihren durstigen Sohn. Am neunten Tag beten die Pilger gemeinsam auf dem Berg Ararat – ein bedeutendes Ritual des Hadsch. Die Wallfahrtszeit endet förmlich mit dem Feiertag Eid al-Adha (Opferfest, das ebenfalls mehrere Tage dauern kann). Am zehnten Tag des Dhu-al-Hijja opfert man ein Kamel, Schaf oder gehörntes Tier. Nach der Kopfrasur legt man das Ihram ab und trägt wieder normale Tageskleidung (Ihlal). Solange sich der Pilger an einem Muhrim (einer heiligen Stätte) aufhält, darf kein Beischlaf stattfinden, kein Blut vergossen, nicht gejagt werden, und Pflanzen dürfen nicht versetzt werden.

Für viele Andersgläubige der westlichen Welt ist ein Aspekt des Islam besonders unverständlich: der Status der Frauen. Dieser Aspekt wird von der westlichen Welt auch am heftigsten kritisiert. Die Forderung, dass Frauen sich dezent kleiden und sich in der Öffentlichkeit bescheiden und zurückhaltend benehmen, ist für Muslime Symbol der Bedeutung der Frau als Mutter und Beschützerin der Familie.
Der Prophet Mohammed befürwortet die Monogamie, obwohl Polygamie unter der Voraussetzung gestattet ist, dass der Ehemann in der Lage ist, mehrere Frauen zu unterhalten, und diese auch gleichberechtigt behandelt. Polygamie ist außerdem in besonderen Umständen erlaubt, z. B. wenn es in einer Gesellschaftsschicht mehr Frauen als Männer gibt, oder wenn die Ehefrau chronisch krank oder unfruchtbar ist. Heutzutage ist die Monogamie weiter verbreitet, Polygamie ist zwar erlaubt, wird aber nicht gefördert. Einige königliche Familien islamischen Glaubens, jedoch bei weitem nicht alle, bedienen sich der Polygamie aus politischen Gründen.
Islamische Traditionen wie die Verschleierung der Frau oder von den Eltern arrangierte Ehen werden in einigen islamischen Ländern befolgt. Verallgemeinerungen sind sehr schwierig. Viele dieser Sitten und Gebräuche dienen der Hervorhebung der männlichen Dominanz innerhalb der islamischen Gesellschaft. In vielen modernen islamischen Gesellschaften gehen Frauen einem Beruf nach, die islamischen Kleidungsvorschriften des entsprechenden Landes (falls solche bestehen) müssen jedoch immer befolgt werden. In einigen Berufen sind weibliche Arbeitskräfte unentbehrlich, wie zum Beispiel Ärztinnen und Lehrerinnen für muslimische Mädchen und Frauen in strikt islamischen Gesellschaften wie Saudi-Arabien. Immer mehr Frauen stehen im Berufsleben, teilweise aus finanziellen Gründen, teilweise aber auch, weil die religiösen Vorschriften sich entspannt haben. Frauen bestimmen zweifelsohne das Familienleben und die damit verbundenen häuslichen Belange. Die Bedeutung der Familie in der Gesellschaft gewährleistet hauptsächlich älteren Frauen einen beachtlichen Einfluss. Junge Frauen haben innerhalb der Familie eine untergeordnete Stellung.
Die unterschiedlichen Interpretationen und Anwendungen der verschiedenen Gesetze des Korans kann man u. a. an den Freiheiten messen, die den Frauen verschiedener Länder gewährt werden. Der Fundamentalismus, der sich in einigen islamischen Ländern in gewissem Maße ausbreitet, ist im großen und ganzen als Ausdruck der Abneigung gegenüber den wirtschaftlich stärkeren Ländern zu verstehen, die einen unerwünschten Einfluss auf die inneren Angelegenheiten dieser Staaten ausüben. Dies kann ein Land zu einer Rückkehr zu beinahe mittelalterlich anmutenden Traditionen führen, um die ablehnende Haltung gegenüber der 'Dekadenz des Westens“ zu verdeutlichen. Während auf der einen Seite traditionelle, islamische Gesetze einen gewissen Schutz für die geachtete Stellung der Frau in der Gesellschaft darstellen, schränken sie auf der anderen Seite ihre Bewegungsfreiheit ein und nehmen ihr die Möglichkeit, ihr Leben selbst zu bestimmen.

Muslime betrachten ihre Religion als Teil des täglichen Lebens, durch den eine geordnete Gesellschaft mit klarer Definition des sozialen, geistigen und wirtschaftlichen Status eines jeden Menschen entsteht. Die Verhaltensregeln stammen zum größten Teil aus dem Koran. Besonders die Begrüßungsform Salam aleikum und die entsprechende Antwort Wa aleikum salam sind festgelegt und werden von Anhängern des Islam auf der ganzen Welt, unabhängig von ihrer eigenen Sprache, benutzt. Gutes Benehmen und Höflichkeit reflektieren die tief verwurzelten Sitten der Gastfreundschaft und der gegenseitigen Hochachtung. Die Gastfreundschaft war bereits vor der Einführung des Islam tief in der arabischen Kultur verwurzelt und ist durch die Lehren und Gesetze des Islam noch verstärkt worden. Themen wie Krankheit oder Tod sind nicht den gleichen Tabus unterworfen, die in der westlichen Gesellschaft vorherrschen, und werden so offen diskutiert wie in der westlichen Welt das Wetter. Muslime werden dazu angehalten, enge Familienbindungen zu pflegen, tolerant zu sein, zu versuchen, anderen Menschen Verständnis entgegen zu bringen und ihnen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen, soweit das in ihrer Macht steht.
Der Begriff 'Familie“ umfasst alle Blutsverwandten; die Bedeutung dieser Familieneinheit kann nicht stark genug betont werden. Interne Familienstreitigkeiten gelten als Schande und müssen so schnell wie möglich beigelegt werden.

Formen der Anrede: Das arabische (aber sehr förmliche) Wort für 'Herr“ ist Sayyid, während verheiratete Frauen mit Sayyida oder Sitt und Mädchen mit Anissa angesprochen werden. Im Islam wird auch befürwortet, dass man Männer als 'mein Bruder“ und Frauen als 'meine Schwester“ bezeichnet. Der Islam betrachtet alle Menschen als gleichstehend. Die Anstandsregeln und die Höflichkeitsformen der islamischen Gesellschaft verhindern jedoch übergroße Vertraulichkeit.

Geschäftsverkehr: Geschäfte werden grundsätzlich auf der Basis der persönlichen Einführung oder Einladung abgeschlossen. Ohne Empfehlung werden Geschäftsreisende zwar überall freundlich empfangen, jedoch kaum in der Lage sein, Geschäfte abzuschließen. Absolute Ehrlichkeit ist Grundlage aller Geschäftsverhandlungen in islamischen Ländern, und ein einmal gegebenes Versprechen ist eine heilige Verpflichtung. Mitunter langwierige Preisdiskussionen sind üblich und eine uralte arabische Tradition des Kaufens und Verkaufens. Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Geschäftes kann man nicht mehr zurücktreten oder den Preis erneut verhandeln, ausgenommen, der Partner sieht sich nicht in der Lage, das vereinbarte Geld aufzubringen.

Kleidungsvorschriften entstanden teilweise durch religiöse Überlieferungen, teilweise auch durch klimatische Bedingungen. Die in westlichen Ländern üblichen Anzüge sind in den Sommermonaten allgemein nur angebracht, wenn sie aus sehr leichtem Material gefertigt wurden. Für Geschäftsleute ist es durchaus akzeptabel, zum Termin ein Hemd mit offenem Kragen zu tragen. Frauen sollten unter allen Umständen tiefe Ausschnitte vermeiden, bestenfalls würden sie damit unwillkommene Aufmerksamkeit erregen oder verspottet werden, schlimmstenfalls Ablehnung oder gar Feindseligkeit herausfordern. Beim Betreten einer Moschee sollten Frauen ein Kopftuch tragen. Muslimische Frauen dürfen im Allgemeinen nur Gesicht und Hände unbedeckt lassen. Man sollte sich niemals so hinsetzen, dass die Fußsohlen zu sehen sind, oder auf eine Person deuten, dies wird als beabsichtigte Beleidigung aufgefasst. Vor dem Betreten einer Moschee oder einer Wohnung zieht man die Schuhe aus.

Männer und Frauen: Man sollte sich stets die Position der Frau im Islam vergegenwärtigen (s. o.) und daran denken, dass einige in Westeuropa gängige Gesten als ernsthafte Beleidigungen ausgelegt werden können. Heirat und Scheidung werden als zivilrechtliche Angelegenheiten betrachtet, eine Scheidung ist zwar nicht allgemein üblich, aber durchaus einfach zu erreichen. Der Ehebruch hingegen ist ein äußerst schwerwiegendes Vergehen, wird als Beleidigung Allahs und der Gesellschaft aufgefasst und schwer bestraft, in strikt islamischen Gesellschaften durch öffentliches Auspeitschen der Beteiligten, mitunter sogar mit Steinigung bis zum Tod.

Geben und Nehmen: Gegenstände sollten immer mit der rechten Hand überreicht oder entgegengenommen werden. Ein Geschenk mit der linken Hand anzunehmen kommt einer Beleidigung gleich.

Drogenmißbrauch: Obwohl einige Länder Haschisch und Marihuana anbauen, wird der Genuss von Drogen nicht geduldet, in vielen Ländern werden daher der Besitz, der Genuss und vor allen Dingen der Handel mit Drogen strengstens bestraft, zum Teil mit der Todesstrafe. Der Islam gestattet keinen Drogenmißbrauch, verboten sind besonders harte Drogen wie Heroin, Morphium und Kokain, aber auch alle Drogen, die das Bewusstsein, das Denken, die Urteilskraft, die Arbeit, das Studium und das Familienleben beeinflussen.

Alkohol: Laut islamischem Gesetz ist jeglicher Genuss von Alkohol verboten. Zahlreiche Muslime, die ihren Glauben nicht praktizieren, trinken Bier, Wein und Spirituosen und werden diese Getränke auch ihren Gästen anbieten, wenn sie außerhalb des eigenen Landes Einladungen aussprechen. Fast alle islamischen Länder (mit Ausnahme von Libyen, Saudi-Arabien und Kuwait) gestatten den Verkauf von Alkohol an Nicht-Muslime. Im Allgemeinen sind diese Getränke nur in internationalen Hotels erhältlich, mitunter benötigen Ausländer eine besondere Genehmigung der Firma oder der Botschaft. Während des Fastenmonats Ramadan sind Bars normalerweise geschlossen. Zum Essen sollte kein Alkohol getrunken werden. Trunkenheit wird als Schande betrachtet und sollte deshalb unbedingt vermieden werden.

Glücksspiel wird in fast allen islamischen Ländern als ein Übel angesehen und ist daher meist strikt verboten.

Rauchen wird aufgrund der damit verbundenen Gesundheitsgefährdung vom Islam ebenfalls abgelehnt. Eine angebotene Zigarette sollte man jedoch nur als überzeugter Nichtraucher ablehnen, da diese oft ein Kompliment darstellt – vor allem, wenn der Gastgeber sie anbietet. Auch das Angebot, eine Narghileh (Wasserpfeife) zu rauchen, sollte man nicht ablehnen und sich dabei einfach am Benehmen der Gastgeber orientieren. Das Rauchen der Wasserpfeife ist in einigen, wenn auch durchaus nicht allen, arabischen Ländern sehr beliebt und Teil des gesellschaftlichen Lebens.

Essen: Der Genuss von Schweinefleisch ist laut islamischem Gesetz untersagt. Alle Tiere werden durch das rituelle Durchschneiden der Kehle getötet, dadurch wird dem Tierkörper das Blut entzogen. So entsteht das so genannte 'Halal“-Fleisch. Üblicherweise tranchiert der Gastgeber oder die Gastgeberin das Fleisch und verteilt die Portionen unter den Gästen. Im Restaurant bezahlt in der Regel die Person, die die Einladung ausgesprochen hat. Es gilt als Beleidigung, diesen Brauch zu umgehen.

Anmerkung: Die Etikette ist in allen islamischen Ländern äußerst kompliziert, mitunter sogar verwirrend – Interessierte sollten die entsprechende Fachliteratur lesen. Gleichzeitig sei zur Beruhigung gesagt, dass vor allem dort, wo man an ausländische Besucher gewöhnt ist, von Nicht-Muslimen keineswegs erwartet wird, dass sie sich genauestens im islamischen Brauchtum auskennen – es sollte jedoch selbstverständlich sein, sich zumindest ansatzweise mit den Gebräuchen eines Landes vertraut zu machen, in dem man sich eine Zeitlang aufhält.

Der islamische Kalender ist nach dem Mondjahr berechnet, d. h. der erste Tag jedes Monats fällt auf den Neumond. In 'regulären“ Jahren mit 354 Tagen hat jeder Monat abwechselnd 30 oder 29 Tage, im Kabischah-Jahr mit 355 Tagen hat der letzte Monat 30 Tage. Innerhalb von 30 Jahren gibt es 19 'reguläre“ und 11 Kabischah-Jahre. Der neunte Monat eines jeden Jahres ist der Fastenmonat Ramadan (s. o.).

Die 12 islamischen Monate (mit den in erster Linie in Saudi-Arabien benutzten Monatsbezeichnungen) sind Muharram, Safar, Rabiaa (1), Rabiaa (2), Jumada (1), Jumada (2), Rajab, Schaaban, Ramadan, Shawwal, Dhul-al-Qa'da und Dhu-al-Hijja.

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