Der Buddhismus ging aus den Lehren von Siddharta (Buddha) hervor, eines Angehörigen der adeligen Shakyan-Sippe, der im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. in der Ganges-Ebene in Nordindien lebte. Es wird allgemein angenommen, dass er 563 v. Chr. geboren wurde und um 480 v. Chr. starb. Siddharta war jahrelang ein Anhänger des weit verbreiteten Wedismus, einer spirituellen und philosophischen Glaubensrichtung, aus der der Brahmanismus hervorging. Siddharta zog sich mit 29 Jahren aus dem weltlichen Leben zurück und wurde zum Asketen, der als Prediger durch das Land wanderte. Seine Lehren, denen ein tiefes Erlebnis der "Erleuchtung" zugrundeliegt, übten in vielerlei Hinsicht Kritik an den Doktrinen des Wedismus, so z. B. am Kastensystem und an Opfergaben, und beruhten auf einem Spiritualismus, der dem Menschen die Möglichkeit gibt, die Schmerzen und Leiden der Welt durch Versenkung und Läuterung zu überwinden und das Nirwana ("Erlöschen" oder "Verwehen") zu erreichen. Als Quelle des Leidens werden die menschlichen Begierden gesehen, die es nach und nach zu überwinden gilt. Endziel des Buddhismus ist die Erlangung der Erleuchtung – "Buddha" bedeutet "der Erleuchtete" – und das Aufgehen im Nirwana, dem Endzustand absoluter Seelenruhe.
Siddharta hat immer wieder betont, er sei weder ein Gott noch der Sohn eines Gottes und auch kein Prophet, sondern ein gewöhnlicher Mensch, der durch Religiosität einen Zustand der Erleuchtung erreicht hat. Der Buddhismus ist keine theistische Religion, d. h. kein Gott ist Zentralfigur des Glaubens wie im Christentum, Islam und Judaismus, sondern der Mensch im Stadium der vollständigen Erleuchtung. Man erreicht diesen Zustand durch Meditation und persönliche religiöse Erfahrungen sowie durch eine asketische und altruistische Lebensweise. Das Stadium der Erleuchtung wird nicht als konstant betrachtet, sondern fluktuiert ständig. Siddharta selbst hat seine Lehren während seines ganzen Lebens den jeweiligen Umständen und seinen persönlichen Erfahrungen angepasst. Ein Zentralbegriff der Lehre ist das Karma, das gute und böse Handeln eines Menschen, das bestimmt, in welcher Form und auf welcher Entwicklungsstufe er im nächsten Leben wiedergeboren wird. Buddhisten glauben, das Schicksal eines Menschen stehe in direktem Zusammenhang mit seinem Lebenswandel und Handeln in früheren Leben. Der Glauben an die Wiedergeburt und die Seelenwanderungslehre sind von zentraler Bedeutung. Der Kreislauf der Wiedergeburten endet erst mit dem Aufgehen im Nirwana.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. hatte sich der Buddhismus in Nordindien etabliert und blieb auch für die nächsten hundert Jahre auf den indischen Subkontinent begrenzt. Im 4. Jahrhundert v. Chr. breitete er sich nach Nepal aus und im 2. Jahrhundert v. Chr. bis nach Kaschmir, Sri Lanka und Zentralasien. Zu Beginn der christlichen Zeitrechnung hatte sich der Buddhismus auch in China durchgesetzt, Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. erreichte er Korea. Der zu dieser Zeit stetig zunehmende Handel im Fernen Osten trug zur weiteren Verbreitung des Buddhismus bei; im 7. Jahrhundert gab es auch auf Java, Sumatra, in Japan, Tibet, Thailand und Burma (heute Myanmar) Buddhisten. Eine Expansion nach Westen wurde durch den Siegeszug des Islam verhindert, der ca. 630 begonnen hatte; in anderen Regionen bekehrten sich jedoch Teile der Bevölkerung zu dem neuen Glauben – Bhutan zum Beispiel kam erst im 9. Jahrhundert mit dem Buddhismus in Berührung, ist jedoch heute eine seiner Hochburgen.
Da sich die Verbreitung des Buddhismus über einen langen Zeitraum (über 1500 Jahre) hinzog, entwickelten sich drei verschiedene Richtungen:
Der Hinajana-Buddhismus, der in Thailand, Sri Lanka, Myanmar (ehemals Burma), Laos und Kambodscha stark vertreten ist, stellt die strengste buddhistische Lehre dar, nach der man Erlösung nur in strengster Mönchsaskese erlangt. Die Mönche in diesen Ländern tragen orangefarbene oder safrangelbe Gewänder.
Der Mahajana-Buddhismus ist der jüngere und freiere Laienbuddhismus und wird vor allem in China, Japan (in diesen beiden Ländern vorwiegend als Zen-Buddhismus) und in Korea weithin praktiziert. Die Priester tragen braune, graue oder schwarze Gewänder.
Der Wadschrajana-Buddhismus, eine esoterische Heilslehre, ist in Tibet, Nepal, Sikkim, Bhutan und der Mongolei vertreten; in Tibet und der Mongolei vor allem als Lamaismus (Verschmelzung mit einheimischem magischem Kult), dessen Oberhäupter der Dalai-Lama und Pantschen-Lama sind. Die Mönche tragen rotbraune Gewänder.
Heute ist der Buddhismus keine straff organisierte Religion mit zentralisierten Institutionen, obwohl es eine hierarchische Organisationsform innerhalb der drei oben genannten Glaubensrichtungen gibt. In Ländern wie Thailand, Sri Lanka, Myanmar (ehemals Burma) und Bhutan, wo der Buddhismus Staatsreligion oder von staatlicher Seite geschützt ist und große Teile der Bevölkerung dem buddhistischen Glauben angehören, sind Staat und Religion sehr eng miteinander verknüpft; Organisation und Institutionen sind in diesen Ländern recht formell. In anderen Ländern, wie z. B. Japan, ist der Buddhismus nicht so fest im öffentlichen Leben verankert und noch weniger institutionalisiert.
Besucher sind immer auf den zahlreichen farbenprächtigen Festivals willkommen, die ein wichtiger Bestandteil der buddhistischen Lebensweise sind. Es ist jedoch nicht immer leicht, die genauen Daten der Veranstaltungen in Erfahrung zu bringen, da sie nach dem Mondkalender berechnet und oft bei Vollmond abgehalten werden – daher ändern sich die Termine entsprechend von Jahr zu Jahr. Zudem hat jedes Land seine eigenen Feste – es empfiehlt sich, die Daten jeweils vor der Reise zu erfragen. Die einzelnen Länderkapitel in diesem Reiseführer enthalten die Rubrik Gesetzliche Feiertage, außerdem erteilen die betreffenden Botschaften, Konsulate und Fremdenverkehrsämter gern weitergehende Auskünfte über Feste und Feierlichkeiten, an denen Banken und Geschäfte nicht geschlossen sind. Hilfreiche Adressen befinden sich am Anfang jedes Länderkapitels. Die wichtigsten Feste sind nachfolgend kurz beschrieben:
Wesak oder Buddha-Tag: Zum Gedenken an Buddhas Erleuchtung, seine Geburt und seinen Tod. Dieses Fest findet im Mai zur Zeit des Vollmonds statt und wird in allen Ländern gefeiert, deren Bewohner dem Hinajana-Buddhismus (s. o.) angehören. Die Häuser und Straßen werden mit Girlanden und gestreiften buddhistischen Flaggen geschmückt, Mönche und Prozessionen ziehen durch die Straßen. Die Gläubigen suchen die Tempel auf, um zu meditieren und religiösen Diskursen zuzuhören.
Kandy Perahera: Dieses Fest wird alljährlich in Kandy, Sri Lanka, gefeiert. Es dauert etwa eine Woche und findet im Juli oder August statt. Ein Zahn des Buddha, den man in einem Tempel aufbewahrt, wird in farbenprächtigen Prozessionen mit zahlreichen Elefanten durch die Stadt getragen.
Songkran wird im April in Thailand begangen und dauert drei Tage. Zu diesem farbenfrohen Fest spritzt man sich gegenseitig nass. Papierdrachen-Wettkämpfe werden abgehalten, Fische werden freigesetzt, besondere Tänze aufgeführt und vieles andere mehr.
Hana Matsuri (Blumenfest im April), Jodo-e (Dezember) und Nehan-e (Februar) werden in Japan zum Gedenken an Geburt, Erleuchtung und Tod des Buddha begangen.
Das Chinesische Neujahr ist das wichtigste Fest in China und all jenen Ländern, deren Bevölkerung dem Wadschrajana-Buddhismus (s. o.) angehört; auch die chinesischen Einwohner von Malaysia, Taiwan (China), Hongkong, Hawaii und anderer Länder begehen dieses Fest, dessen Ursprung auf die Zeit vor der Etablierung des Buddhismus zurückgeht und das ursprünglich den Frühlingsanfang feierte. Die Feierlichkeiten dauern ca. eine Woche und beginnen entweder Ende Januar oder im Februar. Der dritte Tag ist dem Laternenfest gewidmet – an diesem Tag ziehen die wunderschön bemalten, großen Drachen tanzend durch die Straßen.
In Ländern, in denen der Wadschrajana-Buddhismus überwiegt, werden weitere, äußerst farbenprächtige Festivals und Zeremonien veranstaltet, bei denen Dämonentänze aufgeführt werden und Mönche mit bunten Kopfbedeckungen auf alphornähnlichen Blasinstrumenten spielen. Die Daten für diese Feste sind sehr unterschiedlich, man erkundigt sich am besten kurz vor der Abreise bei der Botschaft oder beim Fremdenverkehrsamt.



